WINNETOUS ERBEN
Meines Erachtens hätten in Ihrem Artikel noch zwei Tendenzen deutlich angesprochen werden müssen, die in verschiedenen Büchern Mays Ausdruck finden, und zwar die Abneigung - um nicht zu sagen Feindschaft - gegenüber den Franzosen (vergleiche die Reihe »Der Weg nach Waterloo«, »Der Spion von Ortry«, »Die Herren von Greifenklau« u.a.) und die Abneigung gegenüber den Juden (vergleiche »Das Buschgespenst« - Motto: Juden sind Pfandleiher-Wucherer). Und hier handelt es sich wieder um weitverbreitete Ansichten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die von Karl May geschickt in seinen Büchern verarbeitet wurden und bis heute fortwirken.
Hamburg REIMER VOLKERS
Die Arbeit hätte an Wert gewonnen, wenn Sie das nach meiner Auffassung Wesentlichste der Mayschen Schriftstellerei erwähnt hätten: die auf ethischreligiöser Basis fußende Weltfriedens-Idee! Sie ist die Kernfrage, die konsequent von tastenden Andeutungen in den ersten Reiseerzählungen bis zu praktischen Vorschlägen für ihre Realisierung in Mays Alterswerken deutlich wird. Es ist erstaunlich zu lesen, wie May bereits vor einem halben Jahrhundert in dem zweibändigen »Ardistan und Dschinnistan« eine Organisation des Weltfriedens vorschlägt, die verblüffend der Gestaltung der heutigen »Vereinten Nationen« ähnelt.
Hamburg ALFRED SCHNEIDER
Mit großem Interesse habe ich Ihre Titelgeschichte über Karl May gelesen
und darin mehrfach die Dissertation angezogen gefunden, mit der ich vor nunmehr einem Vierteljahrhundert so etwas wie eine Karl-May-Philologie zu initiieren versucht habe. Bei mancher Reserve im einzelnen halte ich Ihren wohlfundierten Aufsatz für sehr verdienstvoll, das öffentliche Interesse auf ein Phänomen zu lenken, das sich - je mehr im Laufe der letzten Jahre Einzelheiten bekannt wurden, die vorher gehütetes biographisches Geheimnis waren - als ein geradezu grandioses Forschungsobjekt für alle Arten Wissenschaft vom Menschen enthüllt: für den Kultursoziologen wie den Volkskundler, den Psychologen wie den Literaturkundler und den Pädagogen. Ihr Artikel zeigt das Phänomen Karl May in seiner ganzen Buntheit, Widersprüchlichkeit, Kuriosität und Naivität, aber welche tiefe Problematik des Menschlichen verbirgt sich dahinter! Zur Erforschung etwa der physischen Gesetze
des literarischen Schaffens gibt es kaum einen Prototyp von gleicher Ergiebigkeit, für den Analytiker, weil seine beispiellose Naivität ihn so geradezu durchsichtig macht. Was anderswo verdeckt und nur indirekt erschließbar Ist, liegt hier offen zutage.
Hamburg PROF. DR. HEINZ STOLTE
Ein Schreiber, der etwas auf sich hält, der hält sich an das Werk. Und nur an das Werk. May war nie »dort«. Na hörnsemal: War der Märchendichter Homer etwa mit seinem göttlichen Dulder Odysseus auf Fahrt? Hat der erste Schneewittchen-Erzähler bei den sieben Zwergen übernachtet? Schiller im Land Wilhelm Tells? Hat Fontane bei der Effi Briest mal seinen Urlaub verbracht? Also, meine Herren, das ist von aller dummen Schulmeisterei die dümmste. An das, was an Mays Talent goldecht war, tippen Sie kaum: Das war seine Gabe zum Märchenerzählen, durch die er Millionen von Jungen die damals so unglaublich triste Schulzeit erträglich machte. Und gerade das hätte Ihr Thema sein müssen: der letzte Sinn des Erzählens, des Märchenerzählers. Was Sie aber hätten sagen müssen, ist das: Die damalige Pressehetze, und nur sie, war daran schuld, daß May von seinem richtigen Weg abkam und in die Öde des mystischen Blödsinns gedrängt wurde (Ardistan und Dschinnistan und so). Das ausgezeichnete, ohne alle deutsche und religiöse Schwafelei begonnene Märchen vom »Silberlöwen« brach er mittendurch und landete bei dem lächerlichen »Ustâd« und dem »Kiss-y-dar«, dem wirklichen Schundroman.
Schloß Steinach DR. W. MATTHIESSEN
Deine Karl-May-Titelgeschichte war an sich eine gute Sache, aber Arno Schmidt zitiertest Du leider unvollständig, der
Uneingeweihte (muß man leider schon sagen) kann die Belegstellen nicht finden. Den Eingeweihten hinwiederum stört, daß Schmidts Thesen über May nicht richtig 'rauskommen, was den Weg zu diesem weiter versperrt. So laß Dich denn ergänzen, daß Arno Schmidt sich mit May in »Abu Kital / Vom neuen Großmystiker« in »Dya Na Sore, Gespräche in einer Bibliothek«, Stahlberg Verlag, Karlsruhe 1958, beschäftigt.
Düsseldorf DR. LUDWIG BLANCK-CONRADY
An Mays faulen Erzeugnissen leidet vom Wandervogel über den Adolf bis zum eingefleischten Konformisten von heute unser Volk, das durch die falsche Begeisterung, zu der es durch den May-Kitsch erzogen worden ist, noch heute unangenehm in der Welt auffällt.
Linau (Holstein) ERNST ANDERHAGEN
Der SPIEGEL ist ein renommiertes Blatt, eine Informationsquelle, die ich immer wieder gern lesen möchte: Ich lese ihn heute etwa so gern, wie ich vor zehn Jahren Karl May gelesen habe. Ich kann Ihrem Verleger nur wünschen, daß sich sein »Werk« in 50 Jahren einer Beliebtheit erfreut, die der »Karls des Deutschen« gleichzusetzen ist.
Köln DIRK SCHELLER
Na ja, Sie haben ihn seziert, auseinandergerissen und geschildert, wie er vielleicht auch war (das wissen wir von ihm genausowenig, wie wir es von Hitler wußten, was er war), aber er bleibt (Sie haben ihn noch ziemlich anständig ironisiert), er bleibt, was er immer war, »unser Karl May«!
Braunschweig A. RAMMELT
Auf jeden Fall hat die Erfindung des Winnetou den Menschen, vor allem uns Deutschen, mehr Freude gebracht als die Erfindung des Schießpulvers.
Karlsruhe EUGEN HAHN
Was sind schon Karl Mays gesammelte Werke im Vergleich zu einer einzigen »Bild«-Zeitung?
Hamburg KURT ROHDE
Karl-May-Titel
Stolte