Wird alles möglich?
Nr. 24/2000, Serie: Die Welt im 21. Jahrhundert - Künstliche Intelligenz
Gerade die Erkenntnis, dass auch noch so intelligente Menschen ihre Entscheidungen fast ausschließlich instinktgesteuert, also sozusagen gegen besseres Wissen treffen, lässt emotionsfreie Mega-Rechner als Ergänzung und Korrektur so wichtig werden. Wir erkennen an deren Ergebnissen, wie »tierisch« wir selbst durchs Leben gehen. Ein emotionaler Computer würde uns mit aggressiven Ausbrüchen, mit unberechenbaren Amokläufen, mit blockierenden Depressionen, mit Mord und Selbstmord, mit Lügen und Täuschungen bedrohen. Wollen wir das?
FREIBURG DR. CORNELIA HARNASCH
Herr Kurzweil widerspricht sich ganz nebenbei, wenn er sagt, dass eine Konfrontation »mit dem eigenen Willen eines Rechners« gar nicht stattfände, und andererseits zuvor behauptet, diese Rechner könnten auch »ganz schön sauer« reagieren. Zur entscheidenden Frage bleibt er jede Antwort schuldig: Woher soll die Kreativität kommen? Die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens stellt Herr Roth deutlich dar. Den Äußerungen von Herrn Kurzweil dagegen liegt immer dieselbe These zu Grunde: Das exponentielle Wachstum der Rechenleistung wird alles möglich machen. Das aber reicht nicht.
KÖLN MICHAEL BENDEN
In einer Welt voll Menschen, die sich von Sinn und Mitgefühl abwenden, die Hunger, unendliches Leid, weinende und sterbende Kinder ignorieren, die dem neuen Gott Geld längst jede Spiritualität opfern, scheint es sinnvoll, nach Robotern zu forschen, die Gefühl erlernen. Vielleicht sind dies eines Tages die Wesen mit Herz, Verstand und Mitgefühl, wenn Ähnliches unter den Menschen nur noch zu suchen ist. Viel Glück der Forschung!
TRIER MONIKA LUTZ
Es werden natürlich menschliche Computer gebaut werden. Aber diese werden sich, genau wie es die Menschen zu allen Zeiten getan haben, zum Bösen organisieren, und nur dadurch kann die Entwicklung dieser Computer als gelungen angesehen werden. Sie werden aber - wegen des möglichen Downloading, also dadurch, dass sie Gelerntes nicht immer wieder neu lernen müssen - dem Menschengeschlecht haushoch überlegen und in der Lage sein, die Menschen zu unterwerfen beziehungsweise sie sich im Zoo zu halten. Wie gut, dass wir Big Brother schon vorauseilend üben.
RUTHWEILER (RHLD.-PF.) KURT BOOTZ