ZYPERN / ARMEE Wird aufgelöst
Prinzessin Irene von Griechenland, 20, hat in wenigen Minuten zustande gebracht, was der internationalen Diplomatie in Jahrzehnten nicht gelang: die friedliche Abrüstung einer Armee.
Als die Hellenen-Prinzessin vor kurzem in der zyprischen Hauptstadt Nikosia dem Flugzeug entstieg, erwartete sie statt der üblichen Ehrenkompanie nur eine lückenhafte Reihe verbissen dreinblickender Uniformierter. Die übrigen Kompanie- Angehörigen waren bereits eilig auseinandergestoben, ehe die königliche Besucherin eintraf.
Zu ihrem protokollwidrigen Verhalten
hatten sich die zyprischen Gardisten entschlossen, weil sie sich von ihrem Vorgesetzten brüskiert fühlten. Der Kompaniechef, ein türkischer Hauptmann der vertragsgemäß zu 40 Prozent aus Inseltürken und zu 60 Prozent aus Inselgriechen zusammengesetzten Zypern-Armee, hatte seine engeren Landsleute bei der Flugplatz -Zeremonie ungebührlich, bevorzugt: Zum Empfang der Griechenprinzessin ließ er die Türken in der ersten Reihe der Ehrenformation antreten, während die Griechen zur Begrüßung ihrer Landsmännin im zweiten Glied stehen mußten.
Da ihre Proteste am Kompanieführer wirkungslos abprallten, entschlossen sich die benachteiligten Hellenen zur Meuterei. Sämtliche Griechen der Ehrenkompanie machten kehrt und verließen im Laufschritt den Flugplatz.
Als die Rebellion ruchbar wurde, verfügte der Oberbefehlshaber der Insel -Armee, der Griechen-General und Korea-Veteran Menelaos Pantelides, daß der eigenmächtige Kompaniechef aus Zyperns Verteidigungsmacht auszustoßen sei. Dem widersprach sogleich der
Verteidigungsminister der Republik, der Türke Orek.
Dies wiederum war für die übrigen Griechen der Armee das Signal zu einer allgemeinen Meuterei, bei der eine Bekleidungskammer in Flammen aufging. Die türkischen Soldaten rächten sich: Sie verstanden fortan keine griechischen Kommandos mehr.
Der Konflikt in der Armee verstärkte das Mißtrauen zwischen den beiden rivalisierenden Volksgruppen der Insel und stellte die zyprischen Politiker vor die Frage, wozu ein meuterndes Heer wohl gut sei.
Zweifel über die Nützlichkeit einer zyprischen Nationalarmee hatte es schon gegeben, als deren Gründung im Jahre 1960 beschlossen wurde. Der Züricher Vertrag, die Geburtsurkunde der unabhängigen Republik Zypern (von deren 600 000 Einwohnern etwa 79 Prozent griechischer Herkunft sind), sah den Aufbau einer 2000 Mann starken Berufsarmee vor. Sie sollte aus 1200 Inselgriechen und 800 Inseltürken bestehen und den jungen Staat pro Jahr etwa 25 Millionen Mark kosten. Bisher haben sich aber nur 600 Zyprer als Soldaten anwerben lassen.
Auf Zypern sind aufgrund des Züricher Vertrages bereits Truppen dreier Nato-Mächte stationiert: 950 Griechen und 650 Türken; außerdem unterhalten die Briten auf den ihnen verbliebenen Stützpunkten 10 000 Soldaten. Zypern hat daher für seine Sicherheit nichts zu befürchten. Deshalb gewannen im Parlament nach dem Flugplatz-Zwischenfall jene Kräfte die Oberhand, die eine Armee für unnötigen Luxus halten.
Ehe die Auflösung der Miniaturstreitmacht auch formell beschlossen wird, will Zyperns Staatsoberhaupt und Regierungschef, Erzbischof Makarios, mit seinen Ratgebern darüber befinden, ob junge Zyprer künftig noch für wenige Wochen zur Erlernung der wichtigsten Gewehrgriffe einberufen werden sollen, oder ob es genügt, die Inselgendarmerie um einige Hundert Mann zu verstärken.
Erzbischof Makarios, Griechen-Prinzessin Irene: Türken im ersten Glied