WOHLTÄTER
(Nr. 20/1968, Rosenthal)
Ich kenne den SPIEGEL und auch das Journalistenhandwerk genug, um zu wissen, daß Dramatisieren zum Erfolg gehört. Aber nicht bis zur Phantasie. In Ihrem über unseren Fernschreiber gesendeten Interview heißt es wörtlich: »Ihre fünf Kinder sollen nicht ihr gesamtes Millionenvermögen erben. Ein großer Teil ihres Geldes soll die Ausbildung von Arbeitnehmern zu industriellen Führungskräften finanzieren. --
Nicht wie Sie jetzt drucken: »Ihr gesamter Anteil an der Rosenthal AG in eine Stiftung eingebracht werden.«
Durch dieses fehlende Wörtchen »Teil« drängen Sie mich aus der Realität eines überzeugten Vertreters des Eigentums und der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit, der jedoch aus sehr nüchternen Überlegungen und gerade um beide zu erhalten, das Eigentum an den Produktionsmitteln auf eine breitere Basis stellen will, in die Rolle eines »Wohltäters«, die mir nicht zusteht und von der ich auch wenig halte.
Selb (Bayern) PHILIP ROSENTHAL