UNTERNEHMEN / IMMOBILIEN Wohnung vom Computer
Suche Käufer für eine Fünf-Zimmer-Villa im Taunus, Hanglage; Preisidee 250 000 Mark.« Die Verkaufsofferte, von einem Grundstücksmakler über Fernschreiber in Westdeutschlands zentralen Immobilien-Computer eingespeist, wird von dem Elektronenhirn günstig beurteilt. Sekunden später signalisiert es dem Makler »Kauf-Interessenten in Hamburg, Düsseldorf und Mannheim«.
Mit einem Computer-Dienst nach diesem Muster will der Frankfurter Waldemar Hees, 44, einen der »heißesten und wildesten Märkte in den Griff« bekommen: das bundesdeutsche Immobiliengeschäft, bei dem jährlich rund 80 Milliarden Mark umgesetzt werden.
In wenigen Monaten bereits soll nach den Plänen des promovierten Juristen ein großer Teil aller auf dem westdeutschen Immobilienmarkt angebotenen Objekte seine Computer-Zentrale durchlaufen und in einem Großrechner, Modell Univac 418 III, gespeichert werden. Noch in dieser Woche will Hees an mehr als 8000 Makler zwischen Flensburg und Konstanz ein Schreiben verschicken, in dem er die Vorteile dieses neuen Nachrichtendienstes erläutert.
Danach wird die Univac 418 III, ein sogenannter Real-Time-Computer, Kauf- und Verkaufsangebote von Dutzenden von Maklern gleichzeitig speichern und in Sekundenbruchteilen jede gewünschte Information ausgeben können.
Mit einem Fernschreiber ausgerüstete Makler können den Computer unmittelbar im Klartext, also unverschlüsselt, anschreiben. Umgekehrt werden sie über die Fernschreibleitung
* Vor einem Univac-Computer 418 III.
automatisch von der Datenverarbeitungsanlage informiert, falls erst nach Tagen oder Wochen ein passendes Angebot eintrifft.
Waldemar Hees, als Begründer und zeitweiliger Leiter der Frankfurter Immobilienbörse dem Hauptproblem der Makler, dem raschen Aufspüren geeigneter Objekte, ständig konfrontiert, vermerkte in den vergangenen Jahren einen wachsenden Kommunikations-Notstand in der Branche. »Was nützt einem Frankfurter Interessenten ein glänzendes Verkaufsangebot in Mannheim«, sinnierte der Börsen-Chef, »wenn er nichts davon erfährt.«
Die Idee, die Informationslücke der Makler durch einen Computer-Dienst zu überbrücken, kam Hees dann »wie von selbst«. Partner fand der ehemalige Geschäftsführer der Frankfurter Industrie- und Handelskammer ohne Schwierigkeiten. Zu den 41 Gründungsmitgliedern seiner Datentreuhand GmbH (860 000 Mark Stammkapital) zählen neben Immobilienmaklern auch Bankiers und Bauunternehmer.
Interessenten des neuen Computer-Dienstes, der im Frühsommer erstmals erprobt werden soll, offeriert die Datentreuhand GmbH ihren Service gegen eine einmalige Geschäftseinlage von 3000 Mark und feste Gebühren. Die monatliche Computer-Miete kostet beispielsweise 620 Mark. Für Fernschreiber-Miete, Grundgebühr und täglich 30 Minuten Informationsaustausch mit dem Computer zahlen Mitglieder je nach Entfernungszone 286 bis 550 Mark. Hees: »Das ist billiger als eine Bürokraft, die durch den Rationalisierungseffekt ohnehin eingespart werden kann.«
Mit einer zusätzlichen Leistung des Computer-Dienstes hofft Hees noch besser Ins Geschäft zu kommen: Immobilienmakler, die zugleich als Hausverwalter arbeiten, können in Frankfurt ihre gesamte Buchführung mit Mieteneinzug, Mahnungswesen und Kontenüberwachung erledigen lassen.
Auch wenn es dem Datentreuhand-Geschäftsführer Hees gelingt, wie geplant bis Jahresende 1000 Makler und Bauunternehmen als Kunden anzuwerben, wird er die Kapazität seiner Univac 418 III-Anlage damit indes nur zu einem Teil auslasten können.
Der Computer-Chef faßte daher bereits vor der Eröffnung des Immobilien-Dienstes neue Geschäftszweige ins Auge. Rechtzeitig versicherte er sich der Unterstützung renommierter Juristen wie des Handelsrechtlers Professor Dr. Konrad Duden und des hessischen Landesarbeitsgerichts-Präsidenten Dr. Hans G. Joachim, Mitglied der Kommission für elektronische Datenverarbeitung des Deutschen Juristentages.
Nach der »Neuordnung des Immobilienmarktes« will Rechtsanwalt Hees mit ihnen die Univac-Anlage auch in den Dienst der Rechtspflege stellen und für Rechtsanwälte und die Rechtsabteilungen großer Unternehmen Gerichtsentscheide speichern. Hees: »Unser Endziel ist eine umfassende Informations-Fabrik.«