WUERMELING - DER SPIEGEL
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Briefe

WUERMELING
• aus DER SPIEGEL 40/1954
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WUERMELING

(Nr. 38/1954, Deutschland, und Nr. 39/1954, Briefe)

Ihr Wuermeling-Artikel stellt mutig und sachlich fest, daß Hilfe für die Familie und bevölkerungspolitische Staatsraison zwei Dinge sind. Leider kann die jüngste Sonntagsrede des Herrn Bundesfamilienministers den Verdacht nicht zerstreuen, daß es ihm und manchen seiner Freunde weniger um das Wohl der Familie als um die Staatsraison geht.

Bonn

Konrad Willgerodt

Das volksweise Wort »Ehen werden im Himmel geschlossen« besagt - nüchtern betrachtet - , daß Ehe und Familie in ihrer kulturell und sozial bedingten Erscheinungsform vor Gott und der Welt primär von großen, anonymen Kräften bestimmt werden. Diese anonymen

Kräfte sind es, die aus einer Fülle von Ursachen die »marrying types« und die »nonmarrying types« hervorbringen und wesentlich das Ansteigen oder Absinken von Ehe- und Familienbildung ergeben. Daneben haben staatliche Maßnahmen im Grunde nur ganz sekundäre Bedeutung.

Bonn

Walter Fuchs Dr. jur. et rer. pol.

Es geht darum - und deswegen befürworte ich die Haltung unseres Familienministers - , daß alle Einflüsse von den bestehenden und zukünftigen Familien ferngehalten werden, die ein Familienleben zerstören oder den Willen zur gesunden Familie unmöglich machen. Die in den meisten Filmen und sehr vielen Zeitschriften zum Ausdruck gebrachten Ansichten über Ehe und Familie sind aber ausgesprochen familienfeindlich, da sie den Ehebruch als galantes Husarenstück und die Ehescheidung als selbstverständlich hinstellen.

Berlin

G. Lorenz Strobl

Weiß der Herr Familienminister, daß sich im Kreis Bebra ausländische Patres an katholische Ehefrauen heranmachen und sie zur Scheidung von ihren evangelischen Ehemännern überreden wollen (SPIEGEL 32/1954, Seite 26)? Wird er als Schützer der Familie diese Ehestörer als lästige Ausländer ausweisen lassen oder wird er ihnen ein Glückwunschschreiben wie dem Stinkbombenpater Klinkhammer (SPIEGEL 43/1952, Seite 26) schicken?

Heidelberg

Dr. Heimer

Wir sollten nicht in den Fehler totalitärer Staaten verfallen, so private Dinge wie Liebe und Ehe durch Gesetze regeln zu wollen, und schon gar nicht unter dem Gesichtspunkt der Bevölkerungspolitik. Wohin das führen kann, haben wir im Dritten Reich zur Genüge erlebt.

Cuxhaven

Heinz Schaffer

In welcher Zeit lebt Herr Wuermeling? Wenn er es noch nicht weiß, dann lese er es in dem vom SPIEGEL veröffentlichten Buchauszug »Die Hölle ist ganz anders« von Brigitte Gerland nach (SPIEGEL 37/1954, Seite 26 ff.). Dort erfährt er, mit welcher selbstverständlichen Nüchternheit die heutige Jugend sexuelle Probleme sieht und löst.

München

Walter Jaeger

Wer Sexualethik fordert, muß die allgemeine Wehrpflicht ablehnen. Denn ein auf dieser Basis beruhendes Heer wird immer und überall der in tausend Soldatenliedern besungenen freien Liebe den Weg ebnen.

Hannover

Otto Urbach

Das seltsame Treiben des Familienministers läßt berechtigte Zweifel aufkommen, ob es gut war, in das Grundgesetz den Satz aufzunehmen: »Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.« Es wäre wohl besser gewesen, sich in diesem Punkte weniger bindend auszudrücken und echten liberalen Geist walten zu lassen.

Stuttgart

Dr. Werner Eiche

Der Paragraph 172 des StGB hätte zum Schutz der Ehe vollauf genügt:

* Der Ehebruch wird, wenn wegen desselben die Ehe geschieden ist, an dem schuldigen Ehegatten sowie dessen Mitschuldigen mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.

* Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein.

Frankfurt

Helmut Winkler

Wuermeling hin - Wuermeling her, Tatsache bleibt doch, daß diejenigen, die ganz allgemein gegen mehr als ein Kind oder höchstens für zwei Kinder in der Ehe sind, maßgeblich beeinflußt werden durch die Sorge, einfacher leben zu müssen. Sie sind also mehr Egoisten als Genießer der Freuden, die, außer den Sorgen, die Elternschaft mehrerer Kinder bietet. Wozu sind die, die keine Kinder haben wollen, denn eigentlich auf der Welt? Nur um zu leben und ihre eigene Kultur im eigenen Interesse höher zu treiben?

Hamburg

Otto G. L. Reichard

Herr Wuermeling beklagt den Materialismus. Ist es ein Vergehen, wenn jedermann bestrebt ist, sich ein Minimum an materiellem Wohlergehen zu sichern? Im übrigen kann er beruhigt sein: Bei der amerikanischen und europäischen Jugend ist seit einigen Jahren ein starker Hang zur Bürgerlichkeit, zur Abgeschlossenheit der Familie festzustellen - eine Entwicklung, für die zwar vielerlei Gründe angeführt werden können, die aber rational nicht ganz zu erfassen ist. Jedenfalls haben wir hier eine völlig andere Reaktion auf die letztvergangenen tumultuösen kriegerischen und revolutionären Weltereignisse als nach 1919. Etwas mehr Gottvertrauen, Herr Minister, und weniger Selbstgerechtigkeit.

Gießen

Dr. Karl Reimers

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