WUERMELING - DER SPIEGEL
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Briefe

WUERMELING
• aus DER SPIEGEL 50/1954
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WUERMELING

(Nr. 38/1954, Deutschland)

Da Herr Wuermeling es vor kurzem verstanden hat, nach der Präsidentenwahl den ganzen Bundestag gegen sich aufzubringen, sollten Sie nun doch noch Ihren Lesern von einem Vorfall Kenntnis geben, den ich Ihnen bereits vor einigen Wochen mitteilte: Ein Leser hat Ihnen zum Wuermeling-Titelbild einen Brief geschrieben. Diesen Brief haben Sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffentlicht, vermutlich weil Ihnen die Motivierung zu sehr an den Haaren herbeigezogen erschien. Über diese Mißachtung hat sich der Einsender offenbar geärgert; er

schickte den zum Abdruck im SPIEGEL vorgeschlagenen Brief an den Minister Dr. Wuermeling. Der Herr Minister hatte nun nichts Eiligeres zu tun, als den Vorgang stante pede einem Journalisten zu übergeben. Das Ergebnis dieser mehr als seltsamen Aktion, in die ich durch Zufall eingeweiht wurde, sah dann so aus:

KNA - Katholische Nachrichten-Agentur, München, Bonn, Frankfurt am Main. Informationsdienst Nr. 40, 2. Oktober 1954, 2. Jahrgang.

1079.) Was der SPIEGEL nicht veroffentlichte.

Zu dem Artikel in Nr. 38 des SPIEGEL über Bundesfamilienminister Dr. Wuermeling sind bei der Redaktion dieser Zeitschrift zahlreiche Zuschriften eingegangen. In einer dieser vom SPIEGEL bisher nicht veröffentlichten Zuschriften heißt es u. a.: »Ich bin ein bewußt evangelischer Christ. Als solcher hatte ich stets meine starken Vorbehalte gegen Herrn Minister Wuermeling. Ich sah also der angekündigten Nummer mit Spannung entgegen. Nach dem Lesen Ihres Artikels ist mir aber Herr Wuermeling sympathisch geworden. Denn ich sage

mir: Wenn Sie eine solche Fülle von Tendenz zusammentragen müssen, um einen Mann madig zu machen, dann muß an dem Mann schon etwas Gutes sein. So hat immerhin Ihr Artikel einen guten Erfolg gehabt. Daß Ihre Tendenz nicht nur Herrn Wuermeling persönlich diffamiert, sondern das Christentum als solches treffen will, ersehe ich aus Ihrem Artikel Seite 26: 'Gefährliche Großmütter'. Sie schließen ihn mit dem Satz, daß die christliche Religion 'eine Art von geistigem Fusel' sei. Wenn Sie hier auch die Gewerkschaftszeitung kommentarlos zitieren, so läßt die Tatsache, daß Sie Ihren Artikel damit schließen, die Annahme nicht unberechtigt erscheinen, daß Sie dies Zitat mit offensichtlichem Behagen wiedergeben.«

Das sind meines Erachtens recht merkwürdige Arbeitsmethoden. Welche Demagogie liegt doch darin, zwei ganz verschiedene SPIEGEL-Artikel zueinander in Beziehung zu setzen und ein Zitat aus der Gewerkschaftszeitung Ihnen als Ihre Ansicht auszulegen ("Verächtlich nannte die Gewerkschaftszeitung 'Trud' die christliche Religion eine Art von geistigem Fusel"), um so eine antichristliche Einstellung des SPIEGEL konstruieren zu können. Wenn der Briefschreiber und der Herr Minister nicht bemerkt haben sollten, wie unlogisch und blindwütig ihr Vorgehen ist - nun von den Herren der Katholischen Nachrichten-Agentur war dann wohl kaum eine bessere Einsicht zu erwarten.

z. Z. Frankfurt

Dr. Franz Kersting

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