WUNDERKONZERN
Ihr Artikel über die Zweirad-Union zeigt, daß es den meisten Managern schwerfällt, dem bitteren Ende ins Auge zu sehen. Sie hoffen, auch wenn es schon lange zu spät ist, immer noch auf die »Wunderwaffe«. Die Zweirad-Industrie vermochte sich nicht rechtzeitig zu konsolidieren. Sonst hätte manche Pleite, auch auf dem Kleinfahrzeug-Sektor, vermieden werden können. So mußte die Konsolidierung von außen - unter dem Druck der Notwendigkeit und unter großen Verlusten - erfolgen. Burkart bewies bei der Entschuldung der Zweirad-Union, daß er ein gelehriger Schüler ist; Flick dagegen, daß die römische Erkenntnis, einen mächtigen Feldherrn - wie Burkart - durch eine »Provinz« abzulenken, ihn dadurch zu entschärfen und dankbar zu stimmen, keineswegs überholt ist.
Hamburg 22 HASSO HÖLTERLING
Es wundert mich, daß Sie die Qualität der Motorräder überhaupt nicht erwähnt haben. Ich bin davon überzeugt, daß auch der zum Teil schaurige Schund und die Reparaturanfälligkeit der Motorräder zur Abwanderung der Käufer beigetragen haben. Ist es doch erst heute so weit, daß man wenigstens mit einzelnen Typen mehr als 1000 Kilometer fahren kann, ohne sich die Finger dreckig zu machen!
Köln CHRISTIAN RUHSERT
Es ist interessant, wie die Zweirad-Industrie, die sich von der Zweirad-Union bedroht fühlt, sofort versucht, durch das nicht marktkonforme Mittel der Absprache die augenblicklich bestehende Machtverteilung zu zementieren. Der Konkurrenzkampf wäre natürlich einfacher gewesen, wenn die Victoria- und Expreßwerke von der Bildfläche verschwunden wären. Durch die Konsolidierung unter der Führung von Dr. Burkart ist nun aber ein ernst zu nehmender Mitstreiter aufgetreten, der ihren Marktanteil gefährden könnte. Daß damit gerechnet werden muß,
zeigt der Aufstieg der Alu-Metall-GmbH, die sich seit ihrer Übernahme im Jahre 1954 durch Dr. Burkart zu einem führenden Unternehmen der Aluminium-Gießerei in der Bundesrepublik entwickelt hat.
Dingelsdorf (Bodensee) DR. A. STEINHART
Bei dem kürzlich in Paris veranstalteten ersten internationalen (europäischen) Kongreß für die Zweirad-Branche wurde beschlossen, den Gedanken der Schaffung eines international verbundenen Radwegenetzes zu fördern. Die EWG scheint Fortschritte zu machen.
Hamburg 36 GEORG WINNER
Wenn Sie Herrn Hans Glas, Inhaber der Goggomobil-Werke - durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Seidel mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet -, als »Kleinwagen-Gschäftelhuber« bezeichnen, so ist das eine Beleidigung auch für die gesamte Belegschaft, der man mit Tatsachen ohne weiteres entgegentreten kann.
Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Firma Glas von 350 Betriebsangehörigen auf 4500 vergrößert. Darunter sind nur etwa 8,7 Prozent Angestellte. Der Umsatz, der heute jährlich etwa 160 Millionen ausmacht, setzt sich ungefähr zu einem Viertel aus Exporten zusammen. All das ist aus eigener Kraft und ohne Subventionen entstanden. Ein korrekter Betrachter muß diesen Mann als Genie bezeichnen. In Ihren Augen werden aber wohl nur Unternehmer als tüchtig und seriös bezeichnet, die es verstehen, sich mit Staatskrediten über Wasser zu halten!
Dingolfing ERNST RIEGEL JR.
Angestellter der Firma Hans Glas Isaria-Vertriebs-KG
Ein Velociped kostete im vorigen Jahrhundert über 300 Goldmark. Ob damals auch soviel »Luft« im Preis enthalten war, wie es heute noch der Fall sein dürfte? Am Preis scheiterten die Fabrikanten freilich nicht, sondern am Markt.
München HANS-PETER MEISEL
Burkart