SRI LANKA Zahme Tiger
Er trug einen Safarianzug und war, für einen Tiger, etwas mollig: Velupillai Prabhakaran, 47, Chef der tamilischen Befreiungsbewegung Liberation Tigers of Talim Eelam (LTTE), gab vergangenen Mittwoch erstmals seit zwölf Jahren unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen eine Pressekonferenz. Seine frohe Botschaft: Die LTTE, eine der brutalsten und diszipliniertesten Rebellenorganisationen der Welt, die seit fast 19 Jahren für einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten Sri Lankas kämpft, will sich wohl mit einer weit reichenden Autonomieregelung zufrieden geben. Sie sei bereit, die Waffen niederzulegen, und biete »ernsthaft und aufrichtig« Frieden an.
Bislang hat der Krieg der Separatisten, die sich als radikale politische Stimme der hinduistischen Tamilen-Minderheit gegen die buddhistischen Singhalesen verstehen, etwa 64 000 Menschenleben gekostet. An einem Ende der Kampfhandlungen, die zu einem militärischen Patt geführt haben, sind beide Seiten interessiert. Sri Lanka ist kriegsmüde, seine Wirtschaft stark geschädigt, und sowohl die Regierungstruppen als auch die etwa 10 000 oft jugendlichen LTTE-Partisanen sind zermürbt.
Am 22. Februar unterzeichneten der neue Premier Ranil Wickremesinghe und Prabhakaran einen Waffenstillstand, anschließend bereiste Wickremesinghe die nördliche, von der LTTE bislang isolierte Halbinsel Jaffna. Der Premier lockerte das Wirtschaftsembargo, mit dem die Rebellengebiete belegt waren, er befahl die Beseitigung der zahllosen Landminen und ließ den Highway A 9 wieder öffnen, die zentrale Verkehrsverbindung Richtung Norden. Dort ist nahezu jedes zweite Haus von Kugeln durchlöchert - das Tamilengebiet ähnelt einem tropischen Afghanistan voll bitterer Armut, vielfach ohne Elektrizität und Telefon. Die Verhandlungsbereitschaft des von seinen Anhängern als »Sonnengott« und »Führer der Welt« verehrten Prabhakaran, der Kämpfer zu zahlreichen Selbstmordanschlägen losschickte und für seine kaltblütige Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten berüchtigt ist, hat jedoch weniger humanitäre Gründe. Vielmehr ist die LTTE als Terrorgrupe bereits im Visier der USA und läuft Gefahr, im Zuge des weltweiten Anti-Terror-Kriegs eliminiert zu werden.
»Die Vergangenheit liegt hinter uns«, sagte Prabhakaran deshalb einsichtig, »wir haben viele Fehler begangen.« Doch vor der Pressekonferenz hatten sich seine Kader mit Propagandavideos vergnügt - vom letzten Bombenattentat der »Tiger« auf dem Flughafen Colombo im Juli 2001.