ZEISS
(Nr. 23/1955, Industrie)
In Ihrem Artikel über die Zeiss-Stiftung heißt es, daß der Mechaniker Carl Zeiss 1846 seine Objektive durch »Pröbeln« (Probieren) herstellte, bis er sich an Ernst Abbe wandte mit der Anregung, doch die mathematischen und physikalischen Gesetze zur Vorausbestimmung der Linsenwirkung
zu erarbeiten. Nach Ihrem Bericht gelang dies Professor Abbe im Jahre 1869.
Das erste mathematisch vorausberechnete Photo-Objektiv wurde schon drei Jahrzehnte früher, 1840, geschaffen. Damals hatten der Wiener Mathematikprofessor Joseph Petzval und der optische Instrumentenmacher Peter W. F. Voigtländer ein Porträtobjektiv errechnet, das noch im selben Jahr in den Voigtländer-Werkstätten in eine Kamera eingebaut wurde. Dieses Objektiv war mit seiner Lichtstärke 1:3,7 rund fünfzehnmal so lichtstark wie das (gepröbelte) von Daguerre und somit die Sensation seiner Zeit. Die eben erwähnte Kamera war übrigens die erste Metallkamera der Welt und die erste Voigtländer-Kamera überhaupt; ein Exemplar davon steht heute im Deutschen Museum in München.
Braunschweig
DR. PHIL. HANS-MARTIN BRANDT