AUSWÄRTIGES AMT Zeitungen nur für Chefs
Zu herbem Protest, so Beteiligte, habe der Plan der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts in Berlin geführt, den Mitarbeitern des Hauses die Abonnements für Tageszeitungen zu sperren. Per Runderlass erfuhren die Diplomaten Anfang April, dass künftig nur noch »die Leitungsebene des Hauses« mit deutschen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften beliefert werde. Die Presse galt bisher als unverzichtbares Arbeitsmittel im Außenministerium, weil Tageszeitungen oft schneller und Magazine oft umfassender über internationale Vorgänge berichten als amtsinterne Dienste. Die »Quellensperre« (Hausjargon) wird begründet mit der allgemeinen Haushaltslage. Die Diplomaten wurden ermuntert, sich künftig privat Zeitungen zu halten und untereinander auszutauschen. Nach erheblichen Protesten wurde der Erlass einstweilen nur teilweise in Kraft gesetzt: Jede Arbeitsgruppe im Auswärtigen Amt soll künftig immerhin noch eine ausländische Tageszeitung beziehen dürfen. Außerdem wird ein Pressespiegel verteilt, der jedoch schnell Schwachstellen offenbarte: Die »Fischer-Prawda« genannte Ausschnittsammlung lässt kritische Berichte über den Außenminister gern beiseite.