Zember
Zember , 21, Angehörige des Kayan-Volks, zettelte eine kleine Kulturrevolution an. Die Frauen dieses aus den Grenzgebieten Burmas nach Thailand vertriebenen Volks sind bekannt als »Giraffenfrauen« - wegen ihres extrem verlängerten Halses. Zugleich sind sie für Thailands Tourismusindustrie eine lukrative Geldquelle: Touristen kommen in Scharen, um die Frauen zu besichtigen, deren Hals von früher Kindheit an mit immer mehr Messingringen umschlossen wird. Zember hat sich entschieden, diesen sonderbaren Schmuck nicht länger zu tragen. Die Meuterei der, wie es heißt, meistfotografierten Frau im Dorf Nasoi Kayan Tayar führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der jungen und der älteren Generation, und erboste thailändische Geschäftsleute, die die Camps der Flüchtlinge leiten und von den Touristen Eintrittsgelder kassieren, fürchteten um ihre Einnahmen. Als die Kayan, vertrieben von der burmesischen Armee, vor einer Dekade in Thailand
ankamen, hatten sie zähneknirschend die Rolle als Touristenattraktion akzeptiert, doch die nachwachsende Generation fühlt sich nur noch gedemütigt, nicht zuletzt weil den Frauen verboten ist, die Camps zu verlassen. Die finanziellen Folgen von Zembers Schritt sind gravierend: Die Einnahmen aus dem Verkauf von Souvenirs entfielen, auch das Geld, das die Frauen für das Tragen der Ringe von den Camp-Betreibern erhalten, blieb aus. Sie wolle sehr wohl die »Traditionen« ihres Volks achten, sagt Zember, aber wegen dieser Ringe hätten ihre Leute nur Nachteile: Man verweigere ihnen Bildung, Arbeitspapiere und Bürgerrechte. So könnten sie nicht einmal Einladungen ins Ausland folgen, etwa nach Finnland und Neuseeland.