»Zerquetscht das Scheusal« - DER SPIEGEL
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RUSSLAND »Zerquetscht das Scheusal«

• aus DER SPIEGEL 20/2002
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Ein Bombenanschlag im dagestanischen Kaspijsk konfrontiert den Kreml mit fortgeschrittener Destabilisierung in einer weiteren, diesmal der größten russischen Kaukasusrepublik. Auf Moskaus Rotem Platz hatte Präsident Wladimir Putin am Donnerstag voriger Woche, dem 57. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland, gerade Parade-Einheiten den Marschbefehl erteilt, als in der Hafenstadt am Kaspischen Meer eine ferngezündete Bombe dem dortigen Jubiläumsaufmarsch ein blutiges Ende machte. 41 Menschen kamen ums Leben, 150 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Todesopfern: 17 Kinder und 18 Marineinfanteristen.

Als Urheber des Attentats verdächtigen russische Sicherheitsbehörden den dagestanischen Rebellenführer Rapani Chalilow, der in Tschetschenien als Kommandeur gekämpft hatte. Bereits im August 1999 war eine auf 2000 islamistische Freischärler geschätzte Truppe von Tschetschenien aus in die 2 Millionen Einwohner zählende Bergrepublik eingefallen, die seit 1813 zu Russland gehört. Seit 1996 wurden in Dagestan 14 Attentate und Auftragsmorde gezählt, bei denen insgesamt 173 Menschen starben.

In der verarmten Region, in der etwa 30 Völkerschaften leben und Kaviar-, Benzin- und Schnapsschmuggler im ständigen Mafia-Krieg mit den Behörden liegen, schüren islamistische Untergrund-Aktivisten seit langem die Unzufriedenheit mit den herrschenden prorussischen Clans. Erst in der vorvergangenen Woche demonstrierten 3000 Dagestanis gegen Moskaus Nahost-Politik unter der Parole »Hände weg von Palästina«. Präsident Putin, der vom Terroranschlag noch auf der Empore des Lenin-Mausoleums während der Moskauer Parade unterrichtet wurde, sah sich sogleich in historischer Rolle: Russland habe alles »Recht, die Terroristen den Nazis gleichzustellen«. Auch für den heutigen »Abschaum, dem nichts heilig ist«, drohte der Präsident, müsse das sowjetische Kriegsziel von damals gelten: »Zerquetscht das Scheusal.«

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