Ute Vogt, 32, jüngste Abgeordnete der SPD im Bundestag, zur Übermacht der Senioren in ihrer Fraktion
SPIEGEL: Derzeit sitzen unter 251 SPD-Parlamentariern im Deutschen Bundestag gerade 4, die unter 35 Jahre alt sind. In der kommenden Legislaturperiode sollen es mindestens 15 Abgeordnete sein. Glauben Sie daran?
Vogt: Nein. Ich befürchte, daß die Fraktion auch 1998 ziemlich alt aussehen wird.
SPIEGEL: Spüren Sie in der Fraktion eine gewisse Jugendfeindlichkeit?
Vogt: Wenn man es erst einmal in den Bundestag geschafft hat, wird man auch ernst genommen. Treten wir Jungen allerdings gemeinsam auf, scheinen wir bedrohlich zu wirken: Hoppla, denken die Älteren, da läuft doch was gegen uns. Wenn wir beispielsweise über die Lage der Rentenversicherung im Jahr 2030 reden wollen, machen die dicht. Das betrifft sie ja auch nicht mehr.
SPIEGEL: Wie reagieren Ihre Wähler auf die Altersstruktur bei der SPD?
Vogt: Jugendliche, die ich aus meinem Wahlkreis nach Bonn einlade, sind meistens ziemlich enttäuscht. Die Abgeordneten sprechen nicht unsere Sprache, heißt es, die gebrauchen zu viele Fremdworte, von unseren Problemen haben die keine Ahnung.
SPIEGEL: Gibt es Versuche, ältere Kräfte in der Partei zum Rückzug aus der Politik zu bewegen?
Vogt: Überall werden die Leute mit Mitte 50 in den Vorruhestand geschickt, nur bei uns arbeiten sie bis weit darüber hinaus. Aber das Thema geht auf eigenartige Weise unter. Wenn wir eine Verjüngung fordern, dann klatschen alle die Beifall, die eigentlich gemeint sind.