Ziersam
Lieber Bill, wie Gates? Sorry, kleiner Scherz am Rande, bestimmt geht's Ihnen jetzt, da Sie wieder an Ihrer Software tüfteln können, ganz prima. Vielleicht können Sie sich als Erstes Ihr »Word 2000« vornehmen. Es passt netterweise auf, dass man sich nicht blamiert, mit Tipp- oder gar Rechtschreibfehlern, und hat selbstverständlich die Rechtschreibreform von 1998 drauf. Zuverlässig zieht es eine rote Schlangenlinie unter jedes falsche Wort. Und es weiß nicht nur, was neuerdings alles groß- oder klein-, getrennt oder zusammengeschrieben wird, sondern auch, dass es nach einem Punkt groß weitergeht. Allerdings müssten Sie, Bill, ihm mal stecken resp. Klicken - Sehen Sie, schon ist es passiert! -, dass nach dem Punkt hinter einer Abkürzung nicht unbedingt ein neuer Satz beginnt. Jedes Mal muss man seinen Schreibfluss unterbrechen, zurückgehen und das Tu-Wort wieder klein machen. Außerdem mögen auch Sie bestimmt nicht, dass Ihnen jemand beim Schreiben über die Schulter guckt und Ihnen, noch bevor er weiß, was Sie schreiben wollen, reinredet. Beginnen Sie mal, zum Beispiel, einen neuen Absatz mit »Lieber Gott ...« - schon erscheint ein Alarmschild auf dem Schirm und behauptet: »Anscheinend möchten Sie einen Brief schreiben. Brauchen Sie Hilfe?« Für wie blöd hält Ihr Programm uns eigentlich, Mr. Gates? Und noch etwas: Wenn wir in Zukunft in unseren schönen Texten so schöne deutsche Wörter wie schlankerhand oder ziersam verwenden wollen, möchten wir nicht, dass uns diese von Ihrem »Word« rot angestrichen werden, bloß weil es Thomas Mann nicht gelesen hat. Humor allerdings scheint es zu besitzen, denn den Kalauer am Anfang hat es durchgehen lassen.