Zoff am Tisch des Herrn - DER SPIEGEL
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KIRCHEN Zoff am Tisch des Herrn

• aus DER SPIEGEL 7/2003
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Trotz des klaren Neins der Kirchenoberen beider Konfessionen wollen rebellische Katholiken und Protestanten auf dem ersten gemeinsamen Kirchentag seit fast 500 Jahren Ende Mai in Berlin zusammen das Abendmahl feiern. »Daran halten wir gegen jeden Druck fest«, erklärt Heinz Seidenschnur, Pfarrer der evangelischen Gethsemane-Kirche im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg, die schon zu DDR-Zeiten ein Hort des Widerstands war. Insbesondere katholische Anhänger der gelebten Ökumene müssen jedoch mit Ärger rechnen. Ende Januar verdichteten sich Hinweise aus der Berliner Vatikan-Nuntiatur, der Papst werde noch vor dem Berliner Großereignis persönlich eingreifen. In einer Enzyklika soll bekräftigt werden, dass Katholiken das Abendmahl nur von geweihten Priestern empfangen dürfen. Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky mahnte bereits, katholische Pfarrer, die gemeinsam mit Protestanten das Abendmahl feierten, müssten mit sofortiger Suspendierung und anschließendem Amtsverlust rechnen: »Wenn die kirchenrechtlichen Regeln verletzt werden, werde ich mich in Absprache mit dem Vatikan um entsprechende Sanktionen bemühen.« Zum Schutz vor Repressalien im Vorfeld wollen die Verfechter des gemeinsamen Abendmahls darum die Namen katholischer Geistlicher, die sich beteiligen wollen, bis zum Kirchentag geheim halten.

Nach einer Umfrage von NFO Infratest im Auftrag des SPIEGEL befürworten sowohl katholische wie evangelische Christen mit überwältigender Mehrheit ein gemeinsames Abendmahl - die Katholiken sogar noch etwas deutlicher (siehe Grafik).

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