ERITREA »Zone des Friedens«
SPIEGEL: Der Sudan wirft Ihnen vor, Truppen an der Grenze zu sammeln und einen Krieg vorzubereiten.
Afwerki: Das sind aus der Luft gegriffene Anschuldigungen. Eritrea ist vielmehr an einem friedlichen Ausgleich mit dem Sudan und den anderen Nachbarländern am Horn von Afrika interessiert. Wir wollen aus diesem Teil der Welt eine Zone des Friedens machen. Auch das Gerede über US-Militärbasen in Eritrea ist gegenstandslos.
SPIEGEL: Die Regierung in Khartum beschwert sich aber über Unterstützung, die Eritrea der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA) gewähre. Unterhalten die Rebellen in Eritrea Ausbildungslager?
Afwerki: Die Truppen der SPLA brauchen von uns weder Waffen noch Lager. Sie sind bestens ausgerüstet und fügen der sudanesischen Zentralregierung eine Schlappe nach der anderen zu. Sie brauchen übrigens auch kein Geld, denn der US-Kongress hat der SPLA ...
SPIEGEL: ... die für einen laizistischen Staat im Sudan kämpft ...
Afwerki: ... immerhin 300 Millionen Dollar zugestanden. Die SPLA trifft kaum noch auf Widerstand, während Sudans Präsident Umar al-Baschir krampfhaft nach einem Vorwand sucht, um aus den Friedensverhandlungen endgültig auszusteigen. Er und seine Clique wollen keine Aussöhnung.
SPIEGEL: Der Sudan hat sich mit Äthiopien verbündet. Beunruhigt Sie das nach dem Krieg der letzten Jahre?
Afwerki: Überhaupt nicht. Die Uno bewacht unsere gemeinsamen Grenzen. Selbst Anhänger des Hirngespinstes eines großäthiopischen Reichs beschuldigen heute ihre Regierung, durch den Krieg die Uno und die Weltöffentlichkeit mobilisiert und so die Unabhängigkeit Eritreas festgeschrieben zu haben. Wir haben der Uno sogar angeboten, unsere Häfen für den Transport von Hilfsgütern für die Bevölkerung Äthiopiens zu öffnen. Glauben Sie mir, am Horn von Afrika wird Ruhe einkehren.