Zu locker
(Nr. 39/1971, Interview mit Verteidigungsminister Schmidt)
Als loyal eingestellter Staatsbürger würde ich zu dem Interview sagen, daß der Herr Verteidigungsminister in Ihrem Frage-und-Antwortspiel scharfsinnig versucht hat, die 15 Monate Wehrpflicht zu rechtfertigen, nach meiner Ansicht aber seidenweich und polemisierend an der Sache vorbeigeredet hat,
Wiesbaden DIETER SCHREIB Oberfeldwebel zur Zeit in Berufsausbildung
Herr Schmidt sagte in dem Interview: »Unteroffiziere als Gruppen-Ausbilder mit mehr als vier Dienstjahren hat es in unserem Wehrpflichtheer niemals gegeben.« Hier irrt der Verteidigungsminister. Es gab mindestens einen solchen Unteroffizier. Nämlich mich. Ich war bis zum letzten Tag meiner sechsjährigen Dienstzeit Gruppenführer in einer Ausbildungskompanie.
Freilassung (Bayern) WERNER CHRTEK
Bisher wußte ich noch nicht, daß unser Verteidigungsminister nur Unteroffiziere zum Ausbilden an Waffe und Gerät braucht. Wer führt denn die Gruppen in Übungen und eventuell im Gefecht?
Ingolstadt (Bayern) HANNSGEORG HAAG
Hauptfeldwebel
Liest man sich das Interview über die Wehrdienstverkürzung aufmerksam durch, so gelangt der Leser zu dem Schluß. daß Herr Schmidt zielstrebig den Anteil der dienenden Wehrpflichtigen von 60 auf 75 Prozent erhöhen will, nicht aber die Nebenwirkungen seiner Politik sieht oder sehen will. So hat er konsequenterweise über die Kreiswehrersatzämter die Schrauben dermaßen angezogen, daß sogar öfters Leute eingezogen werden, die, objektiv betrachtet, in ihrem zivilen Beruf »unabkömmlich« sind, dennoch aber, obwohl sie zur Aufrechterhaltung der Existenz dringend benötigt werden, eingezogen werden. Gerade ich als Ausbilder stelle die dadurch entstandene Unruhe deutlich fest, die manchmal schwerer wiegt als die mangelnde Wehrungerechtigkeit. Die Politik der »Regel ohne Ausnahme« führt dann letztlich soweit, daß junge Leute, wie schon geschehen, ohne Musterung einberufen wurden und stark gegen die Bundeswehr agieren.
Bichishausen (Bad.-Württ.) ANTON LEICHT stud. rer. pol. z. z. Unteroffizier
Die leicht lockere Art, mit der sich der Minister zur Situation der Armee äußert, kennzeichnet die emotionale Phase. Zur sachlichen Klärung tragen die Äußerungen nämlich keineswegs bei. Die Bemerkung »nicht alle Tassen im Schrank« ist unvorsichtig, weil sie sich als Bumerang erweisen könnte. Im übrigen gilt für ihn, wie für alle Vorgesetzten nach Paragraph 10 des Soldatengesetzes: »Die Zurückhaltung in seinen Äußerungen zu wahren, die erforderlich ist, um das Vertrauen als Vorgesetzter zu erhalten.«
Lüneburg CHRISTIAN TRULL