ZU SCHWER - DER SPIEGEL
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Briefe

ZU SCHWER
• aus DER SPIEGEL 44/1969
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ZU SCHWER

(Nr. 42/1969. Medizin)

Seit Jahren werden mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheitswesen in mehreren Zentren der Bundesrepublik Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der Arm- und Handprothesen durchgeführt. Ober mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Naturwissenschaftlern können wir uns in diesen Zentren nicht beklagen.

Sie vergessen den beträchtlichen Unterschied zwischen Labormodellen und serienmäßig gefertigten Prothesenteilen für die praktische Versorgung Amputierter. Die von Ihnen angeführten Wunderwerke sind noch keineswegs anwendungsreif. So ist zum Beispiel der »Boston-Arm«, gemessen an seiner Funktion, viel zu schwer.

Dr. Boussos Armprothese steht in unserem Labor in Zuverlässigkeitserprobung. Wir haben es bisher vermieden, unsere Dysmeliekinder und ihre Umgebung mit dem Knall der ständig platzenden pneumatischen Antriebe zu erschrecken. Abgesehen davon sind die Schwierigkeiten beim Erlernen der sechsfachen Steuerung für die motorisch stark eingeschränkten Kinder mit diesem Kunstarm ebensowenig überwunden wie alle anderen.

Im Gegensatz zur Heimat des »Boston-Arms«, den Vereinigten Staaten, gehört bei uns die Versorgung Armamputierter mit bioelektronischen Prothesen schon fast zur Routine, sofern die verantwortlichen Kostenträger (zum Beispiel die Berufsgenossenschaften) die Versorgung genehmigen. Wir sind der Auffassung, daß künstliche Gliedmaßen erst dann als brauchbar gelten können, wenn sich ihr Konstruktionsprinzip an mindestens 50 Exemplaren im täglichen Gebrauch bewährt hat. Hier liegen die wirklichen Schwierigkeiten, nicht beim Labormodell. Unsere Erfolgsmeldungen erreichen die Presse im allgemeinen erst nach der praktischen Erprobung. Heidelberg

PROFESSOR ERNST MARQUARDT* *

Leiter der Abteilung für Dysmelien und technische Orthopädie der Universitätskliniken Heidelberg.

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