UMWELT Zu viel Benzol
Angesichts des verbreiteten Einsatzes von Benzol in der Industrie fordern Arbeitsmediziner schärfere Schutzmaßnahmen im Umgang mit dem Krebs auslösenden Stoff. Die geltenden Richtwerte seien trotz wiederholter Verschärfungen »als mit Abstand zu hoch erkannt«, beklagen der Gießener Universitätsprofessor Hans-Joachim Woitowitz und weitere namhafte Wissenschaftler in einer neuen Studie. Nach jüngsten Zahlen der Industrie hat sich die Benzol-Produktionsmenge in Deutschland seit Anfang der neunziger Jahre beinahe verdoppelt, auf rund 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Krebsauslöser Asbest wurde vor seinem Verbot in »demgegenüber vergleichsweise geringen Mengen verbraucht«, stellen die Mediziner fest. Wie gefährlich das in Autokraftstoff und anderen Ölprodukten enthaltene Benzol ist, belegen aktuelle Statistiken der Berufsgenossenschaften: Danach haben Leukämie-Erkrankungen als anerkannte Spätfolge einer Benzol-Einwirkung seit den siebziger Jahren erheblich zugenommen, vor allem Chemiearbeiter und Maler sind betroffen. Die Zahl der Entschädigungen durch die Genossenschaften hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt.