Zukunft aus dem Kaffeesatz (Nr. 3/1989, Gesellschaft: - DER SPIEGEL
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Briefe

Zukunft aus dem Kaffeesatz (Nr. 3/1989, Gesellschaft:
• aus DER SPIEGEL 6/1989
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Zukunft aus dem Kaffeesatz (Nr. 3/1989, Gesellschaft:

SPIEGEL-Redakteur Hans-Joachim Noack über die Unternehmensberaterin Gertrud Höhler)

Was hat der H.-J. Noack nur gegen die Professorin Höhler? - Maulend und schmähend, höhnend und mäkelnd treibt er mit ihr durch die »Stromschnellen des Wertewandels«. Mißfällt ihm ihre Intelligenz oder ihre Schönheit oder ihre Lebensbejahung? Oder ist er einfach bei ihr abgeblitzt?

Berchtesgaden DR. FRITZ HIPPLER Ministerialdirigent a D.

War sie wohl ein paar Nummern zu groß und zu rechtsgestrickt, die Frau Professor für den Herrn Redakteur? Oder wie sonst soll man sich erklären, daß zwar viel über den engen Terminplan und das »scharfkantige asketische Konterfei«, aber wenig über die Ursachen des Erfolgs, über die Inhalte zu erfahren war, die »ihr halt so aus der Feder fließen, daß selbst der Lektor schwerlich nachzukommen scheint«. Daß sie den hartgesottenen Managern nach dem Munde rede, ist als Erklärung allein wohl doch zu dünn.

Ludwigshafen (Rhld.-Pfalz) DR. KARL-GEERT MALLE

Frau Professor Höhler ist eine Anhängerin des naturwissenschaftlich-technisch getriebenen Fortschritts, der im Grunde gar keiner ist: Unsere kaputte Umwelt läßt schön grüßen. Sie gehört damit zu jenen leichtfüßigen Gedankenhülsen-Produzenten, die sich in blinder Unrast sogar selbst verdrängen und ohne eine umfassende Ausbildung an den Problemen unserer Zeit gedanklich vorbeihudeln. Als angeblich bibelfeste Pfarrerstochter sollte sie die Mahnung in den »Sprüchen« (14, Vers 7) kennen: »Gehe von den Narren, denn du lernst nichts von ihnen.«

Wermelskirchen (Nrdrh.-Westf.) J. WILLI FÖRSTER

»Des Kanzlers Reservefrau« ist schon etwas kongenial seelenverwandt »Kohlisches«. Indes, was macht es in diesem unserem Lande, derzeit skandalerschüttert wie nie zuvor, überhaupt noch aus, ob ein Naisbittchen mehr oder weniger den deutschen Wahrsagerinnen, die bekanntlich ohne amerikanische Futurologenhilfe Zukunftsentwicklungen aus dem Kaffeesatz zu ergründen vermögen, unlautere Konkurrenz macht? Masse bringt Kasse! Zum Aussitzen ist da immer viel Zeit. O tempora, o mores!

Mittelhof (Rhld.-Pf.) CHRI-STIAN EBACH

Es wird nicht ganz klar, was der Autor über Frau Höhler nun eigentlich denkt. Gelegentlich schimmert recht viel Sympathie zu einer offensichtlich gescheiten, fleißigen und erfolgreichen Frau durch, die als konservative Intellektuelle nicht so leicht einzuordnen ist: weibliche Führungskraft (mit Sohn), mit hoher Kommunikations- und Analysefähigkeit, in der Lage, mit Komplexität umzugehen, Gespür für verändertes Wertebewußtsein, Autorität aufgrund von Kompetenz, Ausstrahlung und Akzeptanz, Symbol für die Verbindung von Kultur und Kapitalismus.

Wiesbaden THOMAS PARPART

Kompliment an den Redakteur. Ich beneide ihn, denn mir wird es nie gelingen, die guten und weniger guten Eigenschaften eines Menschen auf derart fein- und einfühlende, unverletzliche Art und Weise zu umschreiben. Mir wäre bei gleicher Aufgabestellung höchstens der Satz »Hohl, Höhler, am Höhlsten, aber auch cool« eingefallen.

Basel E. KELLER

Die Vita der Gertrud Höhler - ein bundesdeutsches Schicksal: uff! Wie nur, um Himmels Willen, kann man (frau) so wie sie leben, ohne jeden Tag wieder aufs neue von der Künstlichkeit des eigenen Daseins erschlagen zu werden? Und keine, gar keine Hoffnung, daß die Studie etwa von ihrem Autor verzeichnet wäre - solche Biographien kann man nicht erfinden. Glanzleistung, Kollege Hans-Joachim Noack, stilistisch und inhaltlich, Glanzleistung!

Köln RALPH GIORDANO

Schrott mit Valium-Wirkung (Nr. 3/1989, Musikindustrie: Vermarktungsstrategien der Pop-Konzerne - Interview mit Drafi Deutscher über den Pop-Kommerz) *

Nach dem Artikel kann man nur hoffen, daß die interessante, kreative und ehrliche Musik da bleibt, wo sie herkommt - im Underground.

Augsburg DOLF HERMANNSTÄDTER

Angesichts der derzeitigen Massenproduktion von musikalischem Schrott mit Valium-Wirkung ist anzunehmen, daß beim Beschallen ihrer Gräber mit den aktuellen Top 40 die folgenden Musiker mit mindestens 45 U/min in ihren Särgen rotieren würden: Jim Morrison, Janis Joplin, Buddy Holly, John Lennon, Keith Moon, Jimi Hendrix u.s.w.

Bielefeld WOLFGANG QUAKERNACK

Dieter Kampe hört anscheinend die falschen Platten! Bumderassa peng, aus!

Berlin ANDRE WOLSKI

In einem Punkt irrt Dieter Kampe: Nicht die »anspruchsvollere Musik . . . ist zur Restgröße für Randgruppen verkommen«, sondern verkommen ist der Pop zu einer wertlosen Wegwerfware, sind die öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter zu Promotoren (und Profiteuren) eines schamlosen Business.

Lübeck ARNULF SOPP

Eintagsfliegen wie »Sabrina« und »Sigue Sigue Sputnik« gab es auch in den »glorreichen« Sechzigern und Siebzigern. Nur an die Namen erinnert sich keiner mehr - zu Recht. Aber warum sich aufregen? Das Problem der »Eintagsfliegen« löst sich von selbst. Schon morgen.

Oberhausen (Bad.-Württ.) UWE WESER

Das Musik-Publikum ist durchaus bereit, andere Musik zu hören und sie zu kaufen. Aber man muß ihm Zugang zu dieser Musik verschaffen. Es ist Radiostationen wie zum Beispiel »ffn«, die eine Heavy-Metal-Sendung ausstrahlen, oder »Radio Hamburg«, das eine zweistündige »New Age«-Sendung mit Riesenerfolg regelmäßig ausstrahlt, sehr hoch anzurechnen, dieses Publikum erkannt zu haben und dem vorhandenen Bedürfnis nach differenzierter, innovativer und engagierter Musik Rechnung zu tragen. Gute Musik wird immer noch gemacht, es müssen ihr nur echte Chancen eingeräumt werden!

Hamburg MARK SAKAUTZKY

Als freischaffender Musiker kann ich ein Lied von der Kompetenz der sogenannten A&R-Manager der Plattenfirmen singen. In etwa so: Ich bringe ein aufgenommenes Demo zur Firma, der A&R-Mann steckt es in den Recorder, hört zirka 20 Sekunden, nimmt die Kassette aus dem Recorder - das war's. Dann kommen die erstaunlichsten Statements wie etwa: »Ich persönlich steh' ja sehr drauf, aber die Kids wollen etwas ganz anderes hören« oder »Wir suchen etwas, was mehr wie Grönemeyer klingt« oder »Mein Gott, das ist unmöglich, das klingt ja wie Grönemeyer«. Mir und vielen Musiker-Kollegen geht es inzwischen so, daß wir, die wir versuchen, Musik weiterzuentwickeln, fernab vom Einheitsgesülze der Sandras, Modern Talkings und Co.'s, nicht mehr zu den etablierten Firmen gehen, wohl wissend, daß man Sterbenden den Weg in die letzte Ruhe leicht machen sollte.

Hamburg MARTIN GRUNDMANN Musikautor und Student

Inzwischen ist es eine Binsenweisheit, daß Massenware immer auf Kosten der Qualität geht. Warum sollte dies bei Musikproduktionen anders sein als beispielsweise bei der Herstellung von Lebensmitteln? Leider macht der Trend der hemmungslosen Vermarktung bei der Popmusik noch lange nicht halt; er hat auch schon andere Musikrichtungen erreicht. Auch auf dem Sektor der eher stillen und experimentierfreudigen - »New Age«-Musik genannten - elektronischen Musik tummeln sich inzwischen die Branchenhaie. Die einzige Möglichkeit zur Rettung der Kreativität könnten viele, viele kleine Labels mit unterschiedlichen Richtungen für Insidergruppen sein. Damit ist dann allerdings »das große Geld« nicht mehr zu machen.

Landshut MARTIN ORBAN Musiker und Produzent

Zwei Märchen aufgetischt (Nr. 4/1989, Atomenergie: SPIEGEL-Gespräch mit RWE-Chef Günther Klätte über die Sicherheit deutscher Atomtechnik) *

In dem Interview »Jede Horrorvision läßt sich ausmalen« versucht der RWE-Vorsitzende Günther Klätte unter anderem, zwei Märchen aufzutischen, von denen sich die Kernenergie im Interesse ihrer eigenen Glaubwürdigkeit verabschieden sollte. Das eine ist, daß die Entsorgung problemlos sei und nur durch die schwierigen Genehmigungsverfahren in der Bundesrepublik komplizierter geworden sei. Im Plenum des Deutschen Bundestages hat die Bundesregierung auf meine Anfrage offen erklärt, daß es zur Zeit nirgendwo auf der Erde ein funktionierendes Endlager gibt, das den Sicherheitsanforderungen entspricht. Eine Frittenbude darf man nur betreiben, wenn man der Behörde nachweist, wohin die Abfälle kommen, Kernkraftwerke arbeiten seit Jahrzehnten, obwohl niemand weiß, was mit dem Müll werden soll.

Das zweite Märchen ist die geradezu schon zur Legende ausgebaute Behauptung, die Energiewirtschaft habe bei der Planung von Kernkraftwerken nicht wissen können, daß der Absatz an elektrischer Energie nicht so steigen würde, wie man das Anfang der siebziger Jahre gehofft hatte. Damals waren Zuwachsraten behauptet worden, die zu einer Verdopplung des Stromverbrauchs in jeweils 10 Jahren geführt hätten. Tatsächlich hat die Energiewirtschaft solche Prognosen nicht nur gefördert, sondern aus wirtschaftlichem Eigeninteresse alles getan, um solchen Horrorvisionen möglichst nahe zu kommen. Als ich Mitte der siebziger Jahre in einer Diskussion mit Vertretern der Energiewirtschaft öffentlich die Meinung vertrat, daß jede Ausdehnung des Energieverbrauchs zu immer tiefer greifenden Belastungen der Umwelt führen würde und daß man deswegen alles tun müsse, um Energie zu sparen und den spezifischen Energieverbrauch zu senken, haben mich die Herren schallend ausgelacht und gemeint, das sei so, als ob man den Nahrungsmittelbedarf durch Fasten befriedigen wolle. Eine Umgestaltung der Stromtarife, eine besondere Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Elektrogeräten haben sie ebenso abgelehnt, wie sie die elektrischen Nachtspeicheröfen propagiert haben, obwohl zweifellos und schon damals erkennbar das Heizen mit elektrischer Energie ein ökologischer Wahnsinn ist. Wenn die Elektrizitätswirtschaft ihre Investitionen an den von ihr selbst erzeugten Wunschträumen ausrichtet, dann sollte sie niemand anderen dafür verantwortlich machen.

Bonn DR. BURKHARD HIRSCH FDP/MdB

Völlig verlöffelt (Nr. 2/1989, Griechenland: Die Liebes- und Staatsaffäre um Premier Andreas Papandreou und seine Mimi) Ich protestiere, daß in Ihrem geplanten Papandreou-Titel die griechische Flagge mißbraucht wird, um die Blößen des Liebespaares zu verdecken. Für uns Griechen stellt die griechische Fahne ein nationalheiliges und verehrungswürdiges Symbol dar, zu dessen Verteidigung viele griechische Generationen ihr Blut vergossen haben. Aus diesem Grunde zeugt es nicht von gutem Geschmack, dieses nationale Emblem - wie auch die Fahne eines jeden Volkes - für amoralische, niedrige Zwecke zu mißbrauchen. Athen KASSANDRA KAMBASSI *

Eines steht fest: Selbst Helmut Kohl ist ein staatsmännisches Genie im Vergleich zu diesem Oberhaupt.

Frankfurt CARMEN DREYER

Hat man vergessen, daß unser Vorzeige-Olympier, Herr Geheimrat Dr. jur. Goethe, sich mit 71 in eine 17jährige verlöffelt hat?

Wer sich mit 69 noch an ein solches Prachtstück wie die Mimi herantraut, vor dem können wir alle nur den Hut ziehen, meine Herren!

Oberhausen GÜNTER ERICH HOLZ

Der SPIEGEL-Leser weiß nun endlich Bescheid. Nur haben die Autoren ihm wirklich die ganze Wahrheit mitgeteilt? Lag da nicht doch auf dem Fauteuil, in dem der Außenminister der Republik Zypern Platz zu nehmen hatte, ein vergessener Slip der Mimi herum?

Wien WOLFGANG GASTAGER

Einer Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe ist ein Briefumschlag der Nordwestdeutschen Klassenlotterie, Hamburg, beigeklebt.

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