Zusätzliche Kapazitäten
(Nr. 16/1981, Energie: Fernwärme)
Wir begrüßen es, daß Sie dem Gedanken eines zunehmenden Fernwärmeausbaues positiv gegenüberstehen -eine Haltung, die bedauerlicherweise in vielen publizistischen Kreisen nicht anzutreffen war.
Völlig unverständlich ist jedoch der Versuch, die HEW als »Fernwärmeverhinderer« großen Stils in Hamburg hinzustellen. Das Gegenteil ist der Fall. Die HEW betreibt eines der größten Fernwärmeversorgungsnetze Europas -- und das bereits seit Jahrzehnten. Auch für die Zukunft sehen die Ausbauplanungen der HEW fast eine Verdoppelung des jetzigen Umfanges vor. Dazu werden Investitionen von weit über zwei Milliarden Mark notwendig sein. Im Gegensatz zu Ihrer Behauptung müssen bei diesem forcierten Ausbau der Fernwärme in erheblichem Ausmaß zusätzliche Kraftwerkskapazitäten errichtet werden.
Aus der Luft gegriffen ist die Behauptung, die Vertreter der HEW und HGW in der Arbeitsgruppe für ein hamburgisches Versorgungskonzept hätten erwirkt, daß in dem »einzigen Fernwärmegebiet Hamburgs«, das heute schon über 16 Prozent des gesamten Wärmebedarfs Hamburgs für Raumheizung und Warmwasserbereitung abdeckt, und damit mehr als das Dreifache des Flensburger Wärmenetzes beinhaltet, S.12 der Übergang von Fernwärme auf Gas empfohlen worden sei. Richtig ist vielmehr, daß für den erweiterten Innenstadtbereich untersucht wurde, welche Investitions- und Energieverbrauchsbilanz sich unter Verdrängung des Ölanteils bei einer Vollversorgung entweder mit Fernwärme oder mit Gas oder bei einer Beibehaltung der drei leitungsgebundenen Energieträger Fernwärme, Gas und Strom ergeben würde.
Bemerkenswerterweise ergab sich bei diesen Untersuchungen, daß die Ausweitung der jetzt praktizierten Versorgung der leitungsgebundenen Energieträger angesichts der gewachsenen Struktur Hamburgs sich als das billigste und keineswegs als das teuerste Energiekonzept darstellen würde. Vor diesen gewachsenen Strukturen Hamburgs die Augen zu verschließen, hieße absolut unrealistische und auch unwirtschaftliche, das heißt für den Wärmeverbraucher teurere Vorstellungen zu entwickeln.
Hamburg ROBERT SCHULTE Hamburgische Electricitäts-Werke AG