Sprachenstreit Air Berlin "Die Katalanen wurden ins Mark getroffen"
SPIEGEL ONLINE: Von Seiten katalanischer Politiker gab es heftige Attacken gegen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, weil dieser sich gegen katalanische Ansagen auf Flügen wandte und den Katalanen "mittelalterliche Kleinstaaterei" vorwarf. Warum ist den Katalanen denn die Sprache so wichtig? In Deutschland käme kein Bayer auf die Idee, von Fluggesellschaften Ansagen auf Bayerisch einzufordern .
Stegmann: Das kann man nicht miteinander vergleichen. Anders als Dialekte in Deutschland ist das Katalanische die offizielle Landessprache in Katalonien. Während der Franco-Diktatur war es den Menschen verboten, in der Öffentlichkeit ihre Muttersprache zu benutzen. Man verlor seinen Job, wenn jemand verriet, dass man Katalanisch spricht. Also ist die Sprache heute für die Menschen die Sprache der Demokratie und der Befreiung. Wer das Katalanische bekämpfte, war jemand, der für Franco kämpfte.
SPIEGEL ONLINE: Deshalb muss man aber nicht gleich die Vergleiche mit Adolf Hitlerziehen?
Stegmann: Die Reaktionen waren wirklich sehr aggressiv. Aber das hat sich Herr Hunold selbst zuzuschreiben, dass auf seine Aggressivität mit Aggressivität reagiert wurde.
SPIEGEL ONLINE: Inwieweit ist die Forderung der Katalanen Ihrer Ansicht nach berechtigt, als Kunden einer Fluglinie in ihrer Landessprache bedient zu werden?
Stegmann: Ein guter Geschäftsmann bringt sich so nah wie möglich an die Kunden heran. Das haben internationale Konzerne gemerkt - sie begegnen ihren Kunden in Holland auf Holländisch und in Dänemark auf Dänisch - und nicht auf Englisch. Man kommt an die Herzen der Leute nur über ihre Muttersprache.
SPIEGEL ONLINE: Kann man denn als Tourist mit Spanischkenntnissen überhaupt die katalanische Sprache erlernen? Sie klingt ganz anders als das Spanische
Stegmann: Touristen, die weniger oft da sind, wollen sich hauptsächlich entspannen. Aber wer sich auch für die kulturelle Seite interessiert, sollte sich den Spaß erlauben und eine katalanische und eine spanische Tageszeitung miteinander vergleichen. Dann merkt man plötzlich, wie viele Ähnlichkeiten es doch gibt. In der geschriebenen Sprache macht sich dies eher bemerkbar als in der gesprochenen.
SPIEGEL ONLINE: Ist es einfach, Katalanisch zu erlernen?
Stegmann: Ja, und zwar geht dies schneller als man denkt. Wir haben an der Universität eine Methode namens EuroCom entwickelt und bewiesen, dass man innerhalb kürzester Zeit die Sprache versteht, wenn man eine andere romanische Sprache wie Französisch oder Italienisch beherrscht. Man sagt übrigens nicht Katalan, so wie Herr Hunold dies getan hat, sondern Katalanisch.
SPIEGEL ONLINE: Also könnte auch Herr Hunold die Sprache schnell lernen
Stegmann: Natürlich, ihm könnte ich ein EuroCom-Exemplar zusenden, dann sieht er, dass seine Stewardessen die Sprache ebenso schnell sprechen lernen. Wenn sie die Gäste auf Katalanisch begrüßen könnten, würden sie die Herzen aller Mallorquiner gewinnen.
SPIEGEL ONLINE: Gestern wurde bekannt, dass die Balearen-Regierung und Air Berlin sich geeinigt haben und ein Gesprächstermin mit Herrn Hunold vereinbart wird. Ist der Streit, wie Air Berlin sagt, beerdigt?
Stegmann: Das sollte man abwarten. Die Katalanen haben sich ins Mark getroffen gefühlt. Herr Hunold sollte sich entschuldigen, damit würde er die Sache sofort beruhigen.
Das Interview führte Reinhild Haacker