Ab Sonntag: Bahnfahren wird mit Fahrplanwechsel teurer - DER SPIEGEL
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Ab Sonntag Bahnfahren wird mit Fahrplanwechsel teurer

Die Bahn erhöht zum zweiten Mal innerhalb dieses Jahres die Preise. Durchschnittlich müssen die Kunden in der zweiten Klasse 2,9 Prozent mehr bezahlen. Kritiker werfen dem Unternehmen Abzocke vor.
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Frankfurt/Main – Die Bahn wird schneller, internationaler – und teurer. Ab kommenden Sonntag steigen die Ticketpreise in der zweiten Klasse durchschnittlich um 2,9 Prozent. Noch mehr müssen Inhaber von BahnCards auf den Tisch legen: Die Preise für die Vielfahrer-Karte steigen im Schnitt um 3,8 Prozent. Die zweite Preiserhöhung innerhalb eines Jahres hatte der Konzern bereits im September angekündigt und mit steigenden Energie- und Lohnkosten begründet.

Mit dem Fahrplanwechsel wird eine BahnCard 25 dann 55 statt 53 Euro kosten, für eine BahnCard 50 werden 220 statt bisher 212 Euro fällig. Auch wer einen Sitzplatz reservieren möchte, wird stärker zur Kasse gebeten. In der zweiten Klasse steigt der Preis dafür um 50 Cent auf zwei Euro, wenn man den Sitz übers Internet bucht. Am Schalter kostet die Reservierung künftig vier Euro. Sitzplatzbuchungen in der ersten Klasse werden auch teurer. Per Internet kostet der Service ab Sonntag drei Euro, am Schalter fünf Euro. Ebenfalls teurer werden einige Ländertickets und das Schönes-Wochenende-Ticket, das künftig 35 statt 33 Euro kostet.

Für Fahrten in Nachbarländer hat die Bahn mit dem Fahrplanwechsel ein gesondertes Angebot: Mit dem "Europa-Spezial" ab 39 Euro in der zweiten und ab 69 Euro in der ersten Klasse gibt es einfache Fahrten nach Dänemark, Österreich, Italien und nach Paris "ab jedem deutschen Bahnhof", wie die Bahn erklärte. Auf ausgewählten Zügen sei das Angebot den Angaben zufolge noch günstiger. Es soll verkauft werden, solange der Vorrat reicht und drei Tage Vorkaufsfrist haben.

VCD: Preiserhöhungen trotz Rekordeinnahmen

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) erneuerte seine Kritik an der Preiserhöhung: "Es ist allzu verständlich, wenn sich die Bahn-Kunden über die Preispolitik der Bahn aufregen", sagte der Bundesvorsitzende Michael Gehrmann. Auf der einen Seite brüste sich der Konzern mit immer neuen Rekordeinnahmen und halte stur an dem Ziel der Börsentauglichkeit fest. "Auf der anderen Seite zieht die Bahn die Preisschraube immer weiter an. Die Kunden fühlen sich dadurch zu Recht als Zahlmeister für ein zum Scheitern verurteiltes Projekt", sagte er. Dagegen begrüßte der VCD Verbesserungen bei Verbindungen ins europäische Ausland, die eine "echte Alternative zum besonders klimaschädlichen Flugverkehr" seien.

Mit dem Fahrplanwechsel gibt es auf einigen Strecken auch schnellere Verbindungen: So werden die Fahrzeiten des Intercitys von Dresden über Berlin nach Föhr beziehungsweise Amrum um eine Stunde schneller. Gleichzeitig fährt samstags von Berlin ein ICE über Leipzig und Jena direkt nach Garmisch-Partenkirchen um 40 Minuten schneller als der bisherige Intercity.

Die Fahrstrecke Hamburg-Berlin-Leipzig-München wird nach dem Fahrplanwechsel wegen hoher Nachfrage neu geordnet. Alle zwei Stunden fährt zwischen Hamburg und Berlin ein ICE mit erhöhtem Anteil an Sitzen in der ersten Klasse. Durch gekoppelte ICE-Züge über Hamburg wird die Direktverbindung nach Kopenhagen um 45 Minuten auf sechs Stunden und 45 Minuten verkürzt. Dadurch werden auch Lübeck, Oldenburg (Holstein), Puttgarden sowie Neumünster, Rendsburg und Schleswig von Berlin mit dem ICE erreichbar sein.

Um mehr Kunden für die Erste Klasse der ICE zu gewinnen, soll der Service verbessert werden. Neben 200 zusätzlichen Mitarbeitern für die Betreuung in den Zügen wird laut Bahn das Tageszeitungsangebot erweitert, verteilt werden sollen auch kleine Snacks. Die Zahl der Erste-Klasse-Tickets soll dadurch binnen eines Jahres um eine Million gesteigert werden.

abl/AP/dpa