ADAC-Test: Jeder sechste Straßentunnel fällt durch - DER SPIEGEL
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ADAC-Test Jeder sechste Straßentunnel fällt durch

Der ADAC hat 49 Straßentunnel in Europa getestet - mit erschreckendem Ergebnis: Jeder sechste ist mangelhaft, drei italienische Tunnel landeten am Ende der Liste. Unter den Testversagern ist erneut der Ruhrschnellweg in Essen, dem die Prüfer das Urteil "bedenklich" verpassten.
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Köln - Die viel befahrenen Autotunnel in Europa stellen dem ADAC-Test zufolge weiterhin ein Risiko dar. Der Test wurde zum siebten Mal durchgeführt. Jede sechste Röhre wies erhebliche Sicherheitsmängel auf, ergab ein Vergleich von 49 Tunneln in 14 Ländern. Am schlechtesten schnitten mit der Note "mangelhaft" die italienischen Tunnel San Pellegrino, Quarto und Roccaccia auf der E 45 zwischen Cesena und Rom ab, teilte der ADAC heute mit.

Im Ländervergleich landete Italien auf dem letzten Platz. Nur zwei der fünf getesteten italienischen Tunnel kamen auf die Note "gut". Aber auch der Croix Rousse in Lyon in Frankreich wurde mit "mangelhaft" bewertet. Als "bedenklich" eingestuft wurden neben dem Ruhrschnellweg der Ganzstein auf der S 6 bei Mürzzuschlag in Österreich, der Barrios auf der A6 6 bei Leon in Spanien und der Eidsvoll auf der E 6 bei Oslo in Norwegen.

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Fotostrecke: ADAC-Tunneltest

Foto: ADAC

Auch in Deutschland gibt es schwere Mängel: Der 35 Jahre alte Tunnel auf dem Ruhrschnellweg in Essen ist nach Angaben von ADAC-Präsident Peter Meyer 1000 Meter lang und muss täglich 68.000 Fahrzeuge aufnehmen. Es gebe keine Einschränkungen für Gefahrgutverkehr und keine regelmäßigen Notfallübungen. Die Fluchtwege und Notausgänge seien schlecht gekennzeichnet, die Ventilatoren nicht hitzebeständig.

Nach Angaben des ADAC fehlen Videoüberwachung und Lautsprecher für Durchsagen im Notfall, Polizei und Betriebspersonal haben keine durchgängige Funkverbindung im Tunnel, ebenso ist der Verkehrsfunk teilweise nicht zu empfangen. Allerdings hätten das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund inzwischen Verbesserungen angekündigt und wollten 3,9 Millionen Euro in die Sicherheit investieren.

Zwei weitere Tunnel in Deutschland erreichten nur die Note "ausreichend": der Tunnel auf der A44 unter dem Flughafen Düsseldorf und der Bürgerwald-Tunnel auf der A98 bei Waldshut-Tiengen. Sieger im Tunneltest wurden punktgleich der Ottsdorf-Tunnel bei Micheldorf in Österreich auf der A 9 zwischen Linz und Graz sowie der Markusberg-Tunnel auf der A13 zwischen Petange und Schengen in Luxemburg. Insgesamt erreichten vier von sechs Tunnels in Österreich die Note "sehr gut", der einzig getestete in Belgien, drei von sechs in der Schweiz, zwei von sieben in Deutschland, drei von acht getesteten Tunnels in Spanien, einer von fünf in Frankreich, einer von zwei in Kroatien, einer in Luxemburg sowie zwei von drei in Slowenien. In der Summe kamen im diesjährigen Test 18 Tunnels auf "sehr gut", 14 auf "gut" und neun auf "ausreichend". Vier Straßenröhren wurden mit "bedenklich" bewertet, weitere vier mit "mangelhaft".

Scharfe Kritik an italienischen Tunnelbetreibern

Bester deutscher Kandidat ist der 1,1 Kilometer lange Kapplertunnel auf der B 31 Donaueschingen-Freiburg, der mit "sehr gut" auf Platz 9 im Gesamtranking zu finden ist. Die 2004 fertig gestellte Röhre hat die Tester voll überzeugt. Ebenfalls "sehr gut" schnitt der Emstunnel ab, ein "gut" bekamen der Grenztunnel Füssen und der Ursulaberg.

Der ADAC hatte die Tunneltests zusammen mit europäischen Partnerclubs nach der Katastrophe im Montblanc-Tunnel im Jahr 1999 aufgenommen, bei der 39 Menschen starben. Präsident Meyer betonte, die regelmäßigen Untersuchungen hätten bereits zu Verbesserungen geführt. Dass die Automobilclubs - inzwischen von der EU unterstützt - jährlich rund 50 Tunnels überprüften, habe den Druck auf die Verantwortlichen erhöht. Scharf kritisierte der Club, dass die privaten Betreiber in Italien nach wie vor Tests ihrer Tunnels verweigerten.