Ägypten: Golf im Schatten der Pyramiden - DER SPIEGEL
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Ägypten Golf im Schatten der Pyramiden

War irgendwas? Ägyptens Tourismusmanager präsentieren ihr Land auf der Internationalen Tourismus-Börse ganz so, als hätte es nie Attentate auf Touristen gegeben. Im Jahr 2000 sollen wieder Rekordbuchungen folgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mamdouh El Beltagui, Tourismus-Minister aus dem Land der Pyramiden, strahlt übers braungebrannte Gesicht. 1999, verkündet der Ägypter in Berlin stolz, war für das Land am Nil ein Rekordjahr - mal wieder.

Fast 4,8 Millionen Touristen aus aller Welt konnte Ägypten 1999 begrüßen, 38,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Eine Steigerung, die wenig überrascht - war doch 1998 nach den blutigen Anschlägen auf Touristen ein schwächeres Jahr. "Aber kein schwaches", wie El Beltagui gern betont.

Erstmals haben die Deutschen im November 1999 auch in Ägypten den ersten Platz in der Besucherstatistik einnehmen können. 548.000 Bundesbürger strömten im vergangenen Jahr an den Nil. "Das ist gut", meint der Minister, "aber es ist nicht das, was wir uns erhofft haben."

Der Tourismus boomt im Land der Pharaonen, mit all seinen Folgen: So will Ägypten nicht nur die bestehenden Flughäfen erweitern, sondern auch neue bauen - am Roten Meer, in Suez aber auch in der Wüste. Denn neben Pyramiden und Meeresstränden soll der Wüstentourismus eines der Standbeine des Fremdenverkehrs werden.

Am Golf von Aqaba werden in den kommenden Jahren gleich drei neue Touristenorte entstehen. "Wir schaffen Zentren", nennt El Beltagui das. Zentren, in denen die Touristen von Anfang an Hotels, Yachthäfen oder Krankenhäuser finden. Zentren, zwischen denen keine weitere Bebauung erlaubt sein soll. Auf diese Weise will Ägypten seine rund 1000 Kilometer langen meist unberührten Strände vor der vollständigen Einnahme durch den Tourismus schützen - zumindest im Moment noch.

Ein weiteres "hochmodernes Urlauberzentrum" wird in der Region Marsa Alam, gut 200 Kilometer südlich des Taucher-Eldorados Hurghada, aus dem Boden gestampft. Bislang stehen dort sieben Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Weitere 150 sollen in den kommenden Jahren gebaut werden. Nur logisch ist es für den Tourismus-Minister, dass angesichts 30.000 neuer Hotelbetten auch gleich noch ein eigener Flughafen entsteht.

Ägypten plant aber noch mehr: Das Wüstenland will ein Golfparadies werden. Elf Plätze gibt es schon, weitere sollen folgen - meist in ungewöhnlicher Umgebung. So kann im "Dreamland Golf Ressort" in der Nähe von Kairo mit Blick auf die Pyramiden von Gizeh eingelocht werden.

Alexander Stirn