Australien-Kampagne "Bloody hell, wo bleibst du?"
Sydney - Mit einem Fluch wirbt Australien neuerdings um Touristen: Mit dem Slogan "Where the bloody hell are you?" (etwa: Wo, verdammt noch mal, bleibst du?) und Bildern von Bier trinkenden Cowboys, Kamelen in der Wüste, einem Flug über Korallenriffe und Kängurus auf dem Golfplatz soll eine umgerechnet 111 Millionen Euro Kampagne Urlauber ins Land locken.
Der Spruch sei keineswegs abschreckend, beruhigte Tourismusministerin Fran Bailey am Donnerstag und verteidigte die kritisierte Verwendung des Fluchs "bloody hell": "Das ist ein großartiges australisches Adjektiv. Wir alle benutzen es, das ist Teil unserer Sprache." Auch der Premierminister John Howard steht hinter der Fluch-Kampagne: "Ich denke, das ist eine sehr wirksame Werbung." Howard hat noch letzten Monat den Niedergang der guten Manieren in der australischen Gesellschaft beklagt.
Matthew Hingerty von der australischen Fremdenverkehrsbehörde begrüßte den Werbefeldzug. Er sei eine Rückkehr zu erfolgreichen Kampagnen der achtziger Jahre, als Australien mit "Crocodile Dundee" Paul Hogan warb. Der Slogan damals: "Put another shrimp on the barb" - Leg noch eine Garnele auf den Grill.
Andere Kommentatoren betonten, Werbeversuche etwa mit australischer Hochkultur hätten nicht die erwünschte Werbung erzielt, weil sie keine Ausländer anlockten. Vor zwei Jahren hatte Australien eine Kampagne mit einem Sänger, einem Dichter, einer Aborigine-Künstlerin und einem Cricket-Sportkommentator gestartet.
"Man sollte lieber nicht erwähnen, dass wir zu den am meisten verstädterten Völkern der Erde zählen, dass die meisten von uns noch nie ein Känguru in freier Wildbahn gesehen oder ein Schaf geschoren haben - manchmal sollte man besser nicken und G'day (Australiens Nationalgruß) sagen", befand ein Zeitungskommentator.
abl/AFP/rtr