Doppelstöckig unterwegs: Neue Züge für IC-Strecken
Bahn Doppeldecker sollen Engpass im Fernverkehr beheben
Berlin - Die Bahn will das Problem fehlender Züge im Fernverkehr schneller beheben als bislang geplant: Bereits in drei Jahren sollen bislang nur im Regionalverkehr eingesetzte Doppelstockzüge auch im Fernverkehr fahren, wie die Deutsche Bahn am Mittwoch bekanntgab. Die Lokomotiven und Wagen sind schon länger bestellt, werden nun extra für den Fernverkehr ausgestattet und kosten die Bahn rund 362 Millionen Euro.
Ab 2013 würden 27 Fernzüge mit 135 Doppelstockwagen auf zunächst drei IC-Linien eingesetzt werden, sagte Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg am Mittwoch in Berlin. Zunächst sollen die Wagen mit maximal 160 km/h auf Strecken unterwegs sein, wo Hochgeschwindigkeitsverkehr über 200 km/h ohnehin nicht möglich ist. Homburg sagte aber, man bemühe sich um ein Zulassung der Wagen für bis zu 190 km/h. Es sei auch möglich, später den Einsatz der Wagen auf noch mehr Linien auszudehnen.
Der Zugverband besteht dann aus Lok und fünf klimatisierten Wagen mit insgesamt rund 470 Sitzplätzen. Die Wagen mit den zwei Etagen werden dann nicht nur in den Fernverkehrsfarben weiß mit rotem Streifen lackiert, sondern seien "wesentlich moderner und komfortabler ausgestattet" als die Intercity-Züge, die sie ersetzen sollen: Die Beinfreiheit werde mindestens so groß sein wie im ICE. In jedem Wagen werde es sechs große Ablagen für Gepäck und zusätzlichen Stauraum auf den Zwischenebenen geben.
In einem Wagen pro Zug sind demnach ein Familienbereich mit acht Sitzplätzen an zwei Tischen sowie Plätze für Rollstuhlfahrer geplant. An jedem Doppel- und Einzelsitz werde es eine Steckdose geben, der Handy-Empfang werde durch Mobilfunk-Verstärker verbessert. Fahrgäste könnten auch Fahrräder mitnehmen. Ein Bordrestaurant gibt es nicht, dafür soll es einen Service am Platz geben.
Die Züge bekommen auch eine Klimaanlage, eine elektronische Sitzplatz-Reservierung und Deckenmonitore, die Informationen für die Fahrgäste anzeigen, wie der Hersteller Bombardier mitteilte. Die Fahrpreise in den Doppelstock-IC sollen denen der übrigen IC-Züge entsprechen.
Die Lokomotiven hatte die Bahn bereits im Jahr 2000, die Wagen im Jahr 2008 bestellt. Die Doppelstockzüge seien damit ab Ende 2013 einsetzbar. In der Eisenbahnindustrie dauert es von der Bestellung bis zur Auslieferung normalerweise fünf Jahre.
Modernisierung der veralteten IC-Wagen
Die Doppelstockwagen sollen vor allem auf IC-Strecken mit schwächerer Nachfrage eingesetzt werden, wie Bahn-Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg sagte. Die Bahn wolle dort "durch neue Fahrzeuge mit hohem Komfort" neue Kunden gewinnen. Die frei werdenden, durchschnittlich 40 Jahre alten IC-Wagen sollten für über 160 Millionen Euro modernisiert werden und dann als Reserve für den Fernverkehr zur Verfügung stehen, um die in diesem Winter erneut aufgetretenen Engpässe zu beseitigen.
In den vergangenen Wochen und im vergangenen Winter hatte das Wetter der Bahn schwer zu schaffen gemacht. Es fehlte vor allem auch an Ersatz. Personenverkehr-Vorstand Homburg sagte, in diesem Jahr bleibe es "kritisch" bei der Deutschen Bahn. Die "erste Entspannung" komme Mitte 2012 mit den 15 bei Siemens bestellten neuen ICE3-Zügen.
Seien dann "endlich" alle Achsen der ICE-Züge ausgetauscht, gebe es eine weitere Entspannung. Seit dem Bruch einer Achse bei einem ICE im Sommer 2008 müssen die Züge der Bahn deutlich häufiger als sonst zur Inspektion. Das Vorgehen ist auch eine Reaktion auf die sich hinziehenden Verhandlungen mit Siemens für neue ICx-Züge, die die IC-Flotte mittelfristig ersetzen sollen. Selbst bei einem Abschluss in den nächsten Monaten könnten diese Züge frühestens 2016 im Einsatz sein.