Bahn-Pannen Hersteller sollen zahlen
Berlin - "Wir haben die Ermittlung aller Schäden veranlasst und werden diese der Industrie in Rechnung stellen", erklärte Mehdorn in der Hauptstadt. Bei den Problemen mit den Nahverkehrszügen behalte sich die Bahn vor, die Regressforderungen der Bundesländer an die Industrie weiter zu reichen.
Eine konkrete Summe der Schadenersatzforderung nannte Mehdorn nicht. Bereits in der Vergangenheit war allerdings von einer hohen zweistelligen Millionensumme die Rede gewesen.
Der Verband der Deutschen Bahnindustrie reagierte zurückhaltend. Die Bahn werde sich im Klaren darüber sein, was sie selbst zu vertreten habe. Nötig seien bilaterale Gespräche zwischen den jeweiligen Herstellern und der Bahn.
Von den Pannen und Lieferproblemen sind alle großen Hersteller betroffen. So gab es zahlreiche Ausfälle bei Neigetechnikzügen im Regionalverkehr, Lieferprobleme mit ICE- und und S-Bahnzügen für die Expo 2000 sowie Probleme mit Nahverkehrszügen.
In der Bahn-Mitteilung hieß es, Mehdorn sei über die technischen Mängel und Pannen bei den an die Bahn ausgelieferten Fahrzeugen verärgert und habe kein Verständnis. Jüngste Anlässe seien die Entgleisung eines ICE-T in Berlin sowie die Ausfälle von Neigetechnikzügen gewesen. Mehdorn forderte die betroffenen Unternehmen auf, "zuverlässige Züge zu liefern und damit zur Verbesserung des Bahn-Image beizutragen".
Die Hersteller und die Deutsche Bahn versuchen seit längerem, gemeinsam die Qualität zu verbessern. Bereits im September 1998 kam es zu einem Krisentreffen von Spitzen der Bahn AG mit Vertretern von Bombardier/DWA, ADtranz und der Siemens Verkehrstechnik.
Damals wurde von Seiten der Industrie zugesagt, die Defizite zu beseitigen und sicherere Systeme zu liefern. Die Bahn hatte in der Vergangenheit Investitionen in neuen Züge verschoben und dies mit der ungenügenden Qualität bereits ausgelieferter Fahrzeuge begründet.