Bahn-Tickets Die Nummer im Zug
Berlin - Christof Blum ist kein Mann, der alten Traditionen nachhängt. Der E-Commerce-Stratege der Bahn-Tochter Reise und Touristik AG schaut lieber nach vorne - auch auf dem Berliner Kongress "Elektronik in der Touristik".
"Warum soll ich eigentlich meine Zugfahrkarte vor Antritt der Fahrt lösen?", fragte Blum provokativ ins Plenum. Weil sonst ein Aufschlag zu zahlen ist? Für den Bahn-Manger kein Argument. In der Welt der Kartenchips stellt der Papierfahrschein für ihn schon lange einen Anachronismus dar.
Blum hat Visionen: Nach dem Motto "Reisen jetzt, bezahlen später" könnte die Zahlung von Bahnreisen in Zukunft eher der monatlichen Telefonabrechnung als langwierigen Schaltergeschäften ähneln. Allerdings stellten die unterschiedlichen Fahrscheinarten und das heterogene Nutzungsverhalten der Kunden besondere Anforderungen an ein elektronisches Ticket.
Während die Monatsabrechnung bei der Bahn also noch Zukunftsmusik ist, soll das formlose Ticket, kurz "FLOTT", noch in diesem Jahr den Fahrscheinkauf beschleunigen. Bereits jetzt können Surfer ausgewählte Verbindungen unter bestimmten Auflagen auf den Webseiten der Bahn buchen.
Beim geplanten Online-Kauf der Fahrscheine wird eine Transaktionsnummer vergeben, die über Fax beziehungsweise PC ins Haus kommt oder als SMS-Message auf dem Handy angezeigt werden kann. Bezahlt wird per Kreditkarte. Der Schaffner kontrolliert im Zug nur noch die Nummer.
Für die eher träge Bahn AG ist das fast revolutionär - Flugreisende dagegen kennen das Prinzip schon lange: So werden bei der Lufthansa bereits heute 50 Prozent aller Tickets für Inlandsflüge nicht mehr auf Papier ausgestellt.
Alexander Stirn/Anja Kreisel