Bahnpreise Auch Regionalverkehr wird teurer
Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte heute in der "Financial Times Deutschland", dass das Unternehmen auch im Regionalverkehr erwägt, die Preise für Fahrkarten zu erhöhen. Gestern war bereits bekannt geworden, dass die Bahn wegen der hohen Energiepreise die Tarife für Fernverkehrstickets zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember um durchschnittlich 3,5 Prozent erhöhen will.
"Die steigenden Energiepreise betreffen den Regionalverkehr genauso", sagte der Sprecher des Konzerns. Daher würden auch hier Preiserhöhungen in Erwägung gezogen. Erst im Winter vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bahn ihre Preise im Regionalverkehr um durchschnittlich 4,1 Prozent angehoben.
Im Gegensatz zum Fernverkehr, wo die Deutsche Bahn Preiserhöhungen ohne Rücksprache mit dem Bund durchführen kann, ist der Handlungsspielraum beim Nahverkehr eingeschränkt. Die Bundesländer zahlen der Bahn jedes Jahr mehrere Milliarden Euro für den Unterhalt des Regionalverkehrs und haben daher ein Mitspracherecht bei Tarifänderungen. Jede preispolitische Maßnahme muss der Konzern bei der federführenden Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium in Darmstadt, .
Weitere Politiker äußerten sich inzwischen kritisch zu den Plänen der Bahn. Unions Fraktionsvize Klaus Lippold (CDU) sagte im Deutschlandfunk, dies sei das "falsche Signal", um Kunden zu gewinnen. Die von der Bahn vorgebrachte Begründung der hohen Energiepreise sei seiner Ansicht nach nur ein Vorwand. Er befürchte, dass die Pläne im Zusammenhang mit dem Börsengang der Bahn stünden. Möglicherweise nutze die Bahn die Diskussion im Energiepreisbereich, "um selbst noch einmal die Dinge glatt zu stellen".
Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Friedrich, sagte der "Bild"-Zeitung, so bekomme Bahnchef Hartmut Mehdorn "die Leute nicht in die Züge, so treibt man sie heraus." Das sei "der krampfhafte Versuch, Börsen-Fähigkeit zu zeigen - auf Kosten der Passagiere".
Ebenfalls in der "Bild" äußerte sich die Sprecherin des Fahrgastverbandes "Allianz Pro Schiene", Frauke Lendowsky. Sie forderte Finanzminister Hans Eichel auf, "die Mehrwertsteuer auf Fahrkarten für Fernverkehr zu halbieren, wie es in der rot-grünen Koalitionsvereinbarung steht". Dann, so Lendowsky, könnten die Ticketpreise auf einen Schlag um zehn Prozent gesenkt werden.
Ausmaß der Erhöhung noch offen
Die Bundesregierung hielt sich mit einer Bewertung der geplanten Fahrpreiserhöhungen zurück. Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Michael Zirpel, sagte in Berlin, die Preisgestaltung liege ausschließlich bei der Bahn AG. Diese werde sich daran messen lassen müssen, ob sie die Ziele im Fernverkehr erreicht.
Eine Entscheidung über die künftige Höhe der Preise sei aber noch nicht gefallen, bekräftigte eine Bahn-Sprecherin. Bei Preisanpassungen müsse man sich erst mit den Ministerien, Umwelt- und Fahrgastverbänden sowie im Regionalverkehr mit den Ländern und Genehmigungsbehörden verständigen.
Die Sprecherin verteidigte die Pläne zugleich. Grund für die Preiserhöhungen sei vor allem die geforderte Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Denn zehn Prozent der Kosten gingen auf die Energiepreise zurück. Hinzu komme der Wettbewerbsdruck durch steuerbegünstigte Billigflieger. Zudem liege das Bahn-Preisniveau trotz der jüngsten Anhebung im April dieses Jahres vielfach noch auf dem Niveau von 1999.
Verständnis für die geplante Preiserhöhung zeigte die Verbraucherzentrale. "Schuld daran ist nicht die Bahn, sondern die falsche Energiepolitik der Bundesregierung", sagte die Chefin der Verbraucherzentrale Bundesverband, Edda Müller, der "Berliner Zeitung". Sie kritisierte zugleich, dass die Mineralölsteuer die Bahn einseitig belaste, "während Fluggesellschaften keine Kerosinsteuer bezahlen müssen und Billigflieger zudem immer preiswertere Landerechte auf Regionalflughäfen bekommen".