Berlin Luxushotels boomen
Berlin - Wenn mehr als fünf VIPs in der Hauptstadt residieren, macht das auch noch keinem Organisator Sorgen: Denn Luxushotels hat die Stadt mehr als jede andere in Deutschland. Und in den Augen internationaler Investoren ist Berlin der ideale Platz für noch ein paar Nobelherbergen. Die Gefühle über solches Wachstum sind in der Hauptstadt mit den niedrigsten Hotelpreisen Europas durchaus gemischt.
62.000 Hotelbetten zählt Berlin derzeit - etwa 4500 davon in den zwölf Fünf-Sterne-Hotels, 20.000 in der Kategorie mit vier Sternen. Demnächst rechnet der Chef der Berliner Tourismuszentrale, Hanns Peter Nerger, mit einem Zuwachs von 5000 Betten, davon annähernd die Hälfte im hochklassigen Bereich.
Am Potsdamer Platz beispielsweise entstehen ein Fünf-Sterne-Haus der Ritz-Carlton-Gruppe mit benachbartem Vier-Sterne-Haus von Marriott. Für Marriott ist der Bau der erste in Berlin. "Wir sind sehr froh über das Projekt, wir wollten schon lang einen Standort hier", sagt der Vize-Präsident für den Verkauf, John Marriott.
Ritz-Carlton verfügt zwar schon über ein Haus in Berlin - die von Karl Lagerfeld gestaltete Villa liegt jedoch im Grunewald. Aber die Entwicklung am Regierungssitz Berlin zeige, das ein wachsender Bedarf an Luxushotels bestehe, meint Vize-Chairman Horst Schulze. Radisson wird mit einem Luxushaus auf der Museumsinsel vertreten sein, gekrönt von einer Badelandschaft, zu der der Fahrstuhl durch ein riesiges Aquarium in der Lobby führt.
Solches Engagement der Konkurrenz ist für Sabine van Ommen, die die Öffentlichkeitsarbeit für Kempinski macht, "ein Riesenkompliment an den Standort Berlin." Es gebe den eindeutigen Trend, dass alle großen internationalen Hotelgesellschaften einen Standort in Berlin suchten. "Die sehen Entwicklungspotenzial."
Hier sieht van Ommen jedoch gleichzeitig auch die große Gefahr: "Berlin muss sich jetzt auf die Hinterfüße stellen und die touristischen Vertriebswege ankurbeln." Damit ist längst nicht nur Städtewerbung gemeint. Hauptmanko Berlins: "Wir brauchen dringend einen internationalen Flughafen." Ende März startet die Lufthansa die lang ersehnte Direktflugverbindung von USA nach Berlin - Reisende aus den Staaten mussten bisher mit Zwischenstopp nach Berlin fliegen.
Das ist einer der Punkte, auf die Tourismus-Chef Nerger für die Stadt hofft. Die Einführung des Euro könnte Berlins Hotels noch einmal mehr Gäste aus dem Ausland bescheren. Denn Berlin liegt mit einem durchschnittlichen Bettenpreis von 95 Euro deutlich hinter europäischen Metropolen wie Paris und London.
"Diese günstigen Preise sind für Touristen ein Grund, in Berlin eine Hotelkategorie höher zu buchen als üblich." Auch auf den Kongressmarkt richtet Berlin mit einer eigenen Abteilung im Tourismusmarketing nun verstärkt sein Augenmerk.
Trotzdem glaubt Nerger, dass die vielen Luxushotels, die entstehen, nicht aus dem Stand eine befriedigende Auslastung erreichen werden. Bernd Geyer, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, wird viel deutlicher: Berlin habe nach der Wiedervereinigung zwar einen Nachholbedarf auf andere europäische Großstädte. "Aber da wird doch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", sagt er. "Die Stadt ist schon jetzt klar überbaut."
Von Katja Bauer, dpa