Billigflüge Alles easy!
Genf - Wer auf perfekten Sitzkomfort, Gourmet-Menüs und elegante Stewardessen verzichten kann, sitzt in den orangefarbenen Maschinen der britisch-schweizerischen Billigfluggesellschaft easyJet goldrichtig. "Bei uns gibt es keinen Schnickschnack", erklärt easyJet-Chef Stelios Haji-Ioannou, der als Sohn eines griechischen Reeders selbst durchaus an Luxus gewöhnt ist. easyJet ist teilweise so billig, dass sich das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen inzwischen zu einer echten Herausforderung für die beiden Hauptkonkurrenten Swissair und British Airways entwickelt hat.
So konnten Schnäppchenjäger Anfang Juni für umgerechnet rund 108 DM von London nach Genf und zurück fliegen, inklusive Flughafengebühr. Allerdings, die Superschnäppchen-Plätze kann man oft nur im Internet buchen und auch nur dann, wenn man lange im Voraus weiß, wann man fliegen möchte. Mit Reisebüros arbeitet easyJet aus Kostengründen grundsätzlich nicht zusammen. Gebucht wird entweder direkt per Telefon oder im Internet. Wer online bucht, zahlt etwas weniger, weshalb easyJet inzwischen 70 Prozent aller Tickets im Internet verkauft.
Bei easyJet gilt das "First Minute"-Prinzip. Das heißt, anders als bei Last Minute zahlt man besonders wenig, wenn auf dem ausgewählten Flug noch viele Plätze frei sind. Sind später nur noch wenige Sitze zu vergeben, kann der Flug allerdings leicht dreimal so viel kosten.
Die Billigflugfirma macht nach eigenen Angaben im Durchschnitt zwölf Millionen Franken Umsatz pro Woche (rund 15 Millionen Mark) und schreibt bereits schwarze Zahlen. Sie fliegt insgesamt 18 europäische Städte an. Ihre wichtigsten Standorte sind London-Luton, Liverpool und Genf.
"Deutsche Zielflughäfen werden in den nächsten Jahren auch hinzukommen", sagt Stelios, der sich von jedermann nur beim Vornamen nennen lässt. Doch zunächst einmal kommt er mit seinem zweiten "Baby" nach Deutschland, der Internet-Cafe-Kette easyEverything. Die ersten easy-Internet-Cafés, die jeweils mehrere hundert Plätze haben, sollen demnächst in Berlin und München öffnen.
Demnächst plant easyJet außerdem eine Kapitalerhöhung, um den Kauf von 32 neuen Flugzeugen zu finanzieren. Die Billigfluglinie will in London an die Börse gehen, wobei 20 Prozent der Aktien frei platziert werden sollen. Außerdem sind weitere 15 Prozent für ein Mitarbeiter-Aktien-Programm vorgesehen. Die Mehrheit halten jedoch weiterhin Stelios und seine Geschwister.
Das Startkapital für easyJet bekam Stelios 1995 von seinem reichen Vater. Doch trotzdem gelingt es dem umtriebigen Firmenchef, sich als Freund des kleinen Mannes darzustellen, der im Namen der Verbraucher gegen große Konzerne wie Barclays Bank, die Inhaberin von Luton-Airport, oder Swissair kämpft, die ihm seine niedrigen Preise kaputt machen wollen. "Ich denke, dass auch Lufthansa ein aggressiver Gegner sein wird", meint Stelios, der zwar Wohnungen in Athen und Monaco besitzt, die meiste Zeit aber auf Reisen verbringt. "Ich liebe es, neue Firmen zu gründen", bekennt er. "Später soll das Unternehmen dann aber auch ohne mich laufen können."
Großen Spaß hat Stelios auch an ungewöhnlichen Aktionen, wie 1999, als er die Swissair mit einem Flug von Genf nach Barcelona für 50 Franken schockte. Die SAirGroup konnte easyJet zwar zunächst stoppen. Doch Stelios fand schnell ein Schlupfloch. Da er die Strecke nur als Chartergesellschaft anbieten darf, bekommen die Passagiere nun zusätzlich zu ihrem Flugticket Gutscheine für eine Busreise in die Innenstadt von Barcelona und Übernachtungen in einem winzigen Zelt auf einem Campingplatz ohne warmes Wasser, 60 Kilometer von Barcelona entfernt. "Dieses Angebot haben bisher allerdings erst vier Journalisten und zwei Studenten wahrgenommen", meint Stelios lachend.