Cannstatter Wasen Volksfestbier statt Doping
Stuttgart/München Die Festzelte waren am Samstagabend bis auf den letzten Platz belegt, und insgesamt zogen am ersten Wochenende bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlich warmen Temperaturen etwa 1,2 Millionen Besucher über das 162. Cannstatter Volksfest. Am Festumzug von Stuttgarts Altstadt zum Festgelände nahmen am Sonntagvormittag etwa 3000 Menschen teil, die Polizei zählte etwa 250.000 Zuschauer.
Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) hatte am Freitagabend das Volksfest feierlich eröffnet. Beim traditionellen Anstich benötigte er zwei Hammerschläge, um das erste Fass Bier zum Strömen zu bringen. Vor dem Fassanstich sagte Schuster in Anspielung auf die Dopingschlagzeilen der Rad-Weltmeisterschaft in Stuttgart: "Wir brauchen kein Doping hier, wir haben unser Volksfestbier. Das kann wahre Wunder bewirken." Das "größte Fest der Schwaben" dauert noch bis zum 14. Oktober und zum ersten Mal insgesamt 17 statt wie bislang 16 Tage. Nach Angaben der Organisatoren ist eine bessere Übertragungszeit im Fernsehen der Grund für die Verlegung.
56 verspeiste Ochsen, 3,4 Millionen ausgeschenkte Mass
In München zogen gestern die Organisatoren eine Wiesn-Zwischenbilanz: Trotz Bierpreisen zwischen 7,30 Euro und 7,90 Euro pro Liter bestellten die bisher rund 3,3 Millionen Besucher 3,4 Millionen Mass Bier, rund 200.000 mehr als im vergangenen Jahr. Dabei war ein Masskrug aus einem der Festzelte offenbar der Renner: Etwa 103.000 geklaute Literkrüge (Vorjahr: 99 000) sammelten aufmerksame Ordner wieder ein. Außerdem verspeisten die Wiesn-Bummler mit 56 Ochsen fünf mehr als im Vorjahr. "Ein überdurchschnittlicher Andrang auf die städtischen Ochsen, die ich alle persönlich gekannt habe", sagte Oberbürgermeister Christian Ude.
"Wir hatten allerdings ein Wechselbad der Gefühle", meinte Ude. Während sich an den sonnigen Wochenendtagen bis zu 600.000 Menschen auf der Theresienwiese drängten, schreckte strömender Regen an den Werktagen die Besucher ab. "Die Verlierer der Wetterlage waren vor allem die Schausteller und Marktkaufleute", sagte der Oberbürgermeister. "Wir hatten vier Tage Durststrecke." Er lobte die Arbeit der Sicherheitskräfte. Trotz des riesigen Andrangs an einzelnen Tagen habe es keine schlagzeilenträchtigen Vorfälle gegeben. "Das ist schon ein kleines Wunder", meinte Ude.
"Unser größter Wunsch ist, dass das so bleibt." Wenn in der zweiten Woche das Wetter besser werde und die 229 Schausteller mehr Umsatz machten, "dann wird man mit Sicherheit von einer grandiosen Wiesn sprechen können", erklärte der Oberbürgermeister.
Trend zum Dirndl
Festleiterin Gabriele Weishäupl lobte den Trend zur Tracht. Nicht nur die bayerischen Besucher, auch die Gäste aus dem Ausland kleideten sich zunehmend in Dirndl und Lederhose. "Sie wollen sich optisch anpassen", meinte Weishäupl. Ihren Angaben zufolge kamen 72 Prozent der Oktoberfest-Besucher aus Bayern, 60 Prozent davon aus München. Der Anteil der ausländischen Gäste lag demnach bei 15 Prozent. Nach Angaben des Tourismusamtes kommen immer mehr Gäste aus den USA, Kanada und Australien, aber auch Russland auf die Wiesn.
abl/dpa/AP