Deutsche Bahn AG: 68 Millionen Mark Verlust - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Bahn AG 68 Millionen Mark Verlust

Statt eines angepeilten Gewinns in dreistelliger Millionenhöhe hat die Deutsche Bahn AG im ersten Quartal dieses Jahres einen stattlichen Betriebsverlust eingefahren. Besserung ist nicht in Sicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein streng vertrauliches Vorstandspapier berichtet, habe die Deutsche Bahn AG von Januar bis März einen Betriebsverlust von 68 Millionen Mark eingefahren. Geplant sei dagegen ein Betriebsgewinn von 148 Millionen Mark gewesen. Der erwartete Jahresumsatz von 30,8 Milliarden Mark werde nach Einschätzung des Top-Managements um 600 bis 800 Millionen Mark unterschritten. In dem Papier werde auf eine "problematische Ertrags- und Ergebnissituation" hingewiesen. Ursache für die schlechte Geschäftslage sei die Kostenexplosion bei Großprojekten.

Ein Bahn-Sprecher sagte, es handele sich um eine Risikoschätzung auf Grundlage der ersten drei Monate. Die Bahn gehe aber davon aus, dass es nicht so kommen werde. Die "SZ" schrieb, angesichts der gestiegenen Kosten bei verschiedenen Großprojekten fehle das Geld für eine flächendeckende Sanierung des Streckennetzes und für attraktive Zugverbindungen. Zudem sei mit weiteren Belastungen zu rechnen. Laut Vorstandsbericht zeichneten sich "zum Teil erhebliche Kostensteigerungen bei Infrastrukturprojekten im Netz und im Bahnhofsbereich ab".

Laut "SZ" haben die ungeplanten Ausgaben jetzt schon dramatische Folgen. Allein im ersten Quartal habe die Deutsche Bahn 500 Millionen Mark mehr an eigenen Mitteln für die betreffenden Projekte ausgeben müssen als ursprünglich vorgesehen. Dieses Geld fehle in anderen Bereichen. Im Fernverkehr seien die Investitionen um 620 Millionen Mark und im Nahverkehr um knapp 150 Millionen Mark gesunken. Beim Güterverkehr gebe es in diesem Jahr wegen langfristiger Verpflichtungen kaum noch Spielraum für Neuinvestitionen.

Auch die Hoffnungen auf eine Trendwende durch die Expo sind bei der Bahn laut "SZ" gesunken. Mit zahlreichen Sonderzügen hätten ursprünglich beim Fahrkartenverkauf bis zu 500 Millionen Mark erlöst werden sollen. Im aktuellen Lagebericht sei jedoch von einem schleppenden Vorverkauf die Rede. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat daher sicherheitshalber schon vor zwei Monaten mitgeteilt, bei der Expo bestehe "ein Erlösrisiko bei geringerer Besucherzahl" als angenommen.