Deutsche Bahn Scharfe Kritik an Preiserhöhungen
Halle - "Wir können das nicht akzeptieren und werden alle Möglichkeiten nutzen, das zu verhindern", sagte Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre der "Mitteldeutschen Zeitung" in Halle. Die Argumentation der Bahn, dass höhere Energiepreise zu höheren Kosten im Nahverkehr führten, nannte der Christdemokrat vor dem Hintergrund der derzeit fallenden Dieselpreise "schlecht und ziemlich dünn".
Die Länder haben als Auftraggeber des regionalen Schienenverkehrs die Möglichkeit, bei der zentralen Tarifgenehmigungsbehörde in Darmstadt Einspruch einzulegen. Darüber hinaus sieht Daehre die Bundesregierung als Bahn-Eigner in der Pflicht, gegen die Fahrpreiserhöhung vorzugehen. Er forderte die Regierung in Berlin auf, endlich eine bundeseinheitliche Regelung zu treffen, nach der die Bahn den Beweis für unvermeidbar steigende Kosten antreten müsste.
"Die Bahn muss sich wie jedes andere Unternehmen mehr Gedanken machen, wie sie steigenden Kosten durch eigene Sparanstrengungen begegnen kann", forderte der Minister. Schließlich könne ein Spediteur oder jeder andere Unternehmer, der im Wettbewerb stehe, auch nicht automatisch die steigenden Kosten auf die Kunden abwälzen. Überdies nannte Daehre Fahrpreiserhöhungen kontraproduktiv, nachdem es in jüngerer Zeit gerade gelungen sei, mehr Autofahrer vom Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu überzeugen.
Auch bei Verbraucherschützern ist die angekündigte Preiserhöhung auf Kritik gestoßen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) monierte die Pläne als falsch und unnötig. Vzbv-Chefin Edda Müller sagte, "in Zeiten steigender Energiepreise brauchen wir eine attraktive und günstige Bahn". Mit Preissteigerungen von fast sechs Prozent beschädige die Deutsche Bahn AG ihre eigenen Wachstumschancen.
Ein Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn sagte, die Verteuerung der Tickets mit gestiegenen Energiekosten zu begründen sei "nur die halbe Wahrheit". Die Energiepreise seien zwar gestiegen, aber nach dem Rückgang der vergangenen Monate befänden sie sich auf dem Niveau von vor einem Jahr. "Das als Begründung heranzuziehen, ist also nicht ganz sinnvoll."
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nannte die Anhebung unbegründet. Mit der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung, die zusätzlich in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werde, summiere sich der Preisanstieg auf annähernd sechs Prozent. Der Bahn-Konzern habe anscheinend vor allem den geplanten Börsengang im Auge und wolle seine Bilanz um jeden Preis verbessern, kritisierte VCD-Chef Michael Gehrmann.
Bahnfahren soll im kommenden Jahr im Fernverkehr um 5,6 Prozent und im Nahverkehr um 3,9 Prozent teurer werden. Auch der Preis für die Bahncard steigt deutlich. Wer am Bahn-Schalter eine Reservierung erwirbt, muss künftig 3,50 Euro und somit 50 Cent mehr als bislang bezahlen. Die Bahn führte gestiegene Energiekosten als wichtigsten Grund für die Verteuerung an.
Zudem werde der so genannte Sprinterzuschlag in der 1. und 2. Klasse um jeweils einen auf 11 beziehungsweise 16 Euro angehoben. Die Fahrradkarte verteuere sich für Kunden ohne BahnCard von acht auf neun Euro. Gleichzeitig sollen die Preise für die so genannten Ländertickets um bis zu zwei Euro und für das Schöne-Wochenende-Ticket um 3 auf 33 Euro erhöht werden.
ler/AFP/ddp