Deutsche Bahn: Streik light in Hamburg - DER SPIEGEL
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Deutsche Bahn Streik light in Hamburg

Während in Karlsruhe und Rostock die Züge stillstanden, blieben die Warnstreiks der Bahn-Gewerkschaften in anderen Städten nur eine vorsichtige Warnung. In Hamburg bekamen die meisten Bahnkunden von dem Streik nicht viel mit.
Von Timo Nowack
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Siegfried Behm läuft um kurz vor 7 Uhr schimpfend aus dem Reisezentrum der Deutschen Bahn im Hamburger Hauptbahnhof: "Ich will ein Ticket kaufen, und ihr Idioten macht den Laden dicht", ruft er den etwa zwei Dutzend Mitgliedern der Gewerkschaft Transnet zu, die mit Plastikroben und "Warnstreik"-Schildern vor dem Reisezentrum stehen. Die Schalter sind geschlossen. Für einen Streik habe er kein Verständnis, wenn der zu Lasten der Kunden gehe, sagt Behm. "Dann muss ich eben schwarzfahren." Doch mit so viel Wut im Bauch steht der Mann aus Lübeck heute in Hamburg ziemlich alleine da.

Zur gleichen Zeit rollen die Bahnen an anderen deutschen Bahnhöfen längst nicht mehr. Der Streik der Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA legte in Sachsen und Thüringen den Nahverkehr lahm, in Dortmund warteten die Menschen vergeblich auf Fernverbindungen und auch im Allgäu und in Baden-Württemberg kamen Züge zu spät oder gar nicht. In Rostock fuhr zeitweise keine Bahn mehr. Andernorts sieht es für Bahnfahrer weniger dramatisch aus. In Hamburg etwa bleibt der Warnstreik eine Warnung - eine vorsichtige Warnung, die nach noch nicht einmal zwei Stunden, um 7.45 Uhr schon wieder beendet war.

Die protestierenden Transnet-Mitglieder am Hamburger Hauptbahnhof trinken Kaffee aus Plastikbechern und stehen Spalier für die Kunden, denn am Automaten kann man seine Fahrkarte problemlos kaufen. Einzelne Mitarbeiter, allen voran die Leiterin des Reisezentrums, beraten die Kunden weiterhin – wenn auch nur bei der Bedienung der Ticket-Computer. Ein älteres Ehepaar lässt sich den elektronischen Fahrkartenkauf erklären. Olga und Peter Schäfer kommen aus Oberkochen in der Nähe von Stuttgart: "Wir haben Verständnis dafür, dass die Leute mehr verdienen wollen", sagt Peter Schäfer. "Uns hätte nur gestört, wenn der Zug ausfällt oder zu spät kommt – dann hätten wir unser Schiff nach Helgoland verpasst."

Im Norden sind weitere Aktionen geplant

Doch Ausfälle und Verspätungen bremsen heute niemanden in Hamburg – und so regt sich auch wenig Unmut bei den Kunden. Ein Mann am Automaten sagt: "Bisher bekomme ich nicht viel von dem Streik mit. Aber wenn Züge zu spät fahren oder ausfallen, weiß ich nicht, ob ich dann noch Verständnis habe." Doch das wird nicht auf die Probe gestellt. Zwischendurch öffnet sogar ein Bahnmitarbeiter für einen Kunden den Schalter. "Ich musste einen Gutschein einlösen", erklärt der junge Mann mit einer Sporttasche auf dem Rücken. "Das hat ohne Probleme funktioniert."

Frank Maur, Gewerkschaftssekretär bei Transnet und zuständig für Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen, steht zwischen den Demonstrierenden. Er leitet den Streik in Hamburg und hält die Erwartungen heute bewusst niedrig: "Wir wollen die Auswirkungen hier zunächst gering halten." Im Moment gehe es darum, Mitarbeiter zu mobilisieren und die Reisenden auf den Streik aufmerksam zu machen. "Wenn es aber keine Annäherungen bei den Verhandlungen gibt, werden wir die Situation weiter eskalieren." Im Norden seien in den nächsten Tagen weitere Aktionen geplant, stets im Zeitraum zwischen 6 und 9 Uhr, wenn auch nicht unbedingt in Hamburg.

Morgen wird sich der Streik verschärfen

Mit dem Protest ist der Transnet-Sekretär zufrieden, die meisten Kunden hätten Verständnis. Nicht glücklich ist er dagegen mit den Forderungen der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) nach 30 Prozent Lohnerhöhung: "Es ist schade, dass die Lokführer den Eindruck erwecken, wir hätten überzogene Lohnforderungen." Außerdem halte er es für unvernünftig von ihnen, einen eigenen Tarifvertrag zu fordern. "Das spaltet die Belegschaft", sagt Maur.

Mit ihren Schildern und Schließungen wollen die Eisenbahner ihre Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn unter die Menschen bringen. Die Bahn bietet ihnen nur zwei Prozent für die Jahre 2008 und 2009 und eine einmalige Zahlung von 300 Euro. Eine Einigung ist noch nicht in Sicht und so wurden die Tarifverhandlungen am Wochenende ohne Ergebnis abgebrochen.

Die Lokführer der GDL hielten sich von vornherein vom Verhandlungstisch fern. Nun wollen aber auch sie morgen früh in ganz Deutschland in den Streik treten. Dann könnten auch in Hamburg die Züge stillstehen - und das Verständnis der Bahnfahrer auf eine härtere Probe gestellt werden als heute.

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