Dominikanische Republik Strandparadies ohne Hinterland
Cortesito - Punta Cana hat inzwischen 20.000 Hotelzimmer. Das sind immer noch 10.000 weniger Betten als beispielsweise Cancun in Mexiko vorweisen kann. Beide Orte haben etwas gemeinsam: Sie sind unglaublich schnell gewachsene Urlaubsziele aus der Retorte, die ein einfaches Rezept für den Erfolg haben: Traumhafte exotische Strände und Hotelkomplexe, die ganz auf die Bedürfnisse der Touristen abgestimmt sind. In Punta Canas funktioniert das Konzept "Nur Strand und Sand" auch ohne Hinterland. Punta Cana ist ein Urlaubsziel vom Reißbrett - ohne historische Höhepunkte, Kolonialarchitektur oder Nationalparks. Selbst der Name wurde neu geschaffen. Punta Cana wurde früher Punta Borrachon genannt, was frei übersetzt "betrunken sein" heißt. Im Osten des Inselstaates wird seit jeher Zuckerrohr angebaut und die Fischer und Campesinos immer eine Ration Rum griffbereit. Dieser Name erschien den Tourismusmanagern nicht seriös genug. Deshalb änderten sie den Namen einfach in Punta Cana.
Der Aufstieg der Punta Cana ist auch die Erfolgsgeschichte von Frank Ranieri, der mit dem Tourismus reich geworden ist. Heute gehört der Dominikaner mit italienischen Wurzeln zu den bekanntesten Männer im Land. Er glaubt zu wissen, wie man Urlauber glücklich macht: Sie bräuchten einfach nur sehr viel Entspannung an tollen Stränden. Er berichtet, er habe als 24-Jähriger erstmals die abgeschiedene Kokosnussküste erkundet. Wegen fehlender Straßen sei es damals eine beschwerliche und abenteuerliche Reise mit Esel, Traktor oder Helikopter gewesen. Heute ist alles auf größtmögliche Bequemlichkeit ausgerichtet. Neben All-Inclusive-Anlagen mit bis zu 1000 Zimmern, Parks, Golfplätzen gibt es immer mehr Läden, Supermärkte, Arztpraxen und Schulen. Da es in der Nähe keine größeren Ortschaften gibt, muss die Infrastruktur eben den Touristen folgen. Das Personal in den Hotelanlagen kommt aus der Hauptstadt Santo Domingo, aus San Pedro, La Romana und Higuey an die Küste. Doch hier in Punta Canas hat man gelernt, den anspruchsvollen Karibik-Urlaubern nicht zuviel Beton zuzumuten. Es dominieren moderne Ferienanlagen mit wenigen Etagen, Bungalows und Villen.
"Die relaxte Atmosphäre ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg", glaubt auch Rainieris Tochter Francesca, die natürlich auch in der Tourismusbranche arbeitet. Manche Anlage hat zehn verschiedene Restaurants, die französische, chinesische, japanische, kreolische, italienische oder argentinische Küche anbieten. Außerhalb der Clubressorts wird den meist westlichen Urlaubern jede Art von spektakulärer Unterhaltung geboten: Neben Bootsausflügen, Hochseefischen existiert ein Mini-Disneyland mit Tierdressur-Shows. Noch ist nicht alles in der Hand von All-Inclusive-Anlagen. Es gibt noch ein kleines, wehrhaftes Dorf namens El Cortesito, in dem Weltenbummler und Individualreisende in kleinen Hotels und Gästehäusern unterkommen und die Bevölkerung dem Massentourismus trotzt. Hier fahren auch noch echte Fischer aufs Meer - auch wieder schön für die Touristen.
Von Bernd Kubisch, gms