Idyllische Ruinen Französisches Dörfchen wird versteigert
Courbefy - In dem winzigen französischen Dorf Courbefy lebt seit mehreren Jahren keine Menschenseele mehr. Die 19 Häuser zerfallen, die Ställe stehen leer, der Tennisplatz hat schon lange keinen Spieler mehr gesehen. Mehrere Vorhaben, aus dem nahe der westfranzösischen Stadt Limoges inmitten der Berge Monts de Châlus gelegenen Weiler einen Tourismuskomplex zu machen, scheiterten. Die Investoren gingen pleite. Nun kommt Courbefy unter den Hammer: Die Gläubigerbank Crédit Agricole will das ganze Dorf verkaufen.
Ein erster Anlauf ging am 20. Februar allerdings daneben: Bei einer Versteigerung fand sich kein Käufer, der für das Dörfchen 300.000 Euro zahlen wollte. Immerhin fand die ungewöhnliche Auktion reichlich Echo in den Medien, und das nicht nur in Frankreich. "Auf einmal bekamen wir Anfragen aus aller Welt", freut sich Anwalt Paul Gérardin, der die Bank vertritt. Er habe an mehr als 150 Interessenten die Unterlagen geschickt, an Belgier, Briten, Schweizer, Russen, Chinesen und potenzielle Investoren aus dem Nahen Osten.
Anfang März flatterte dem Anwalt schließlich ein konkretes Angebot auf den Tisch - von der New Yorker Firma AHAE Press inc. Deren Eigentümer ist der aus Korea stammende Landschaftsfotograf Ahae Jeong, dessen Ausstellung "Through my window" ab dem 26. Juni im Pariser Louvre gezeigt werden soll. Der Künstler ist nach Angaben Gérardins bereit, den Kaufpreis plus zehn Prozent Aufschlag zu zahlen, also 330.000 Euro. Dies ist laut französischem Gesetz die Voraussetzung dafür, dass eine zweite Versteigerung stattfinden kann.
Restaurierung der Häuser wird teuer
Die Auktion soll am 21. Mai um 14 Uhr am Gericht von Limoges beginnen - und Gérardin rechnet diesmal mit regem Zulauf. Er sei zuversichtlich, dass das Dorf nun verkauft werde, sagt der Anwalt. Es sei sogar gut möglich, dass die von der New Yorker Firma gebotene Summe deutlich überboten werde.
Für das idyllisch auf einem Hügel am Fuße einer Festung aus dem 13. Jahrhundert gelegene Dörfchen interessieren sich Gérardin zufolge vor allem Investoren, die etwa einen Hotelkomplex planen oder ein Zentrum für Behinderte. Aber auch Privatleute seien vorstellig geworden, darunter eine Gruppe von Freunden, die die verfallenen Häuser zu Feriendomizilen machen wollen.
Dass der Komplex endlich wieder mit Leben erfüllt wird, hofft auch der stellvertretende Bürgermeister der Nachbargemeinde Saint-Nicolas-Courbefy. Es sei ihm immer "schwer ums Herz", wenn er sehe, wie das idyllische Dörfchen zunehmend verfalle und Opfer von Plünderern werde, sagt Bernard Guilhem. Der Gemeindeverbund, zu dem Saint-Nicolas-Courbefy gehört, habe sogar selbst die Möglichkeit geprüft, das Dorf zu übernehmen. Angesichts knapper Kassen sei dies aber nicht möglich - die Restaurierung der Häuser koste mindestens ebenso viel wie das Dorf selbst.