Eis-Bau im Bayerischen Wald: Coole Kirche - DER SPIEGEL
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Kirchenbau in Bayern: Gewölbe aus Schnee, Altar aus Eis

Foto: TMN/ Förderverein Schneekirche

Eis-Bau im Bayerischen Wald Coole Kirche

Hotels und -bars aus Eis sprießen jeden Winter aus dem Boden, jetzt kommt eine Kirche aus dem temperaturempfindlichen Material hinzu. Im Bayerischen Wald will eine Gemeinde 1400 Kubikmeter Schnee bis zu 17 Meter hoch auftürmen - wie schon ihre Vorfahren vor 100 Jahren.
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Mitterfirmiansreut - In Mitterfirmiansreut fehlt nur noch der erste Schnee. Dann könnten in dem kleinen Bergdorf im Bayerischen Wald die Bauarbeiten für das spektakulärste Bauprojekt im Ort seit 100 Jahren beginnen: Die Bewohner des kleinen Dorfes im Landkreis Freyung-Grafenau planen die Errichtung einer begehbaren Kirche ganz aus Schnee.

190 Menschen soll das Gotteshaus nach seiner Fertigstellung fassen. Die Pläne sehen einen geschwungenen, 26 Meter langen und bis zu 6,5 Meter hohen Kirchenbau vor. Im Inneren wird es Skulpturen, einen Altar und Kniebänke geben - alles aus Eis. Auch ein rund 17 Meter hoher Kirchturm soll entstehen.

Noch ist von all dem nichts zu sehen. Und dennoch stapeln sich bei Bernd Stiefvater bereits die Anfragen für Trauungen und Taufen in der Schneekirche. Der Gastronom nahm vor zwei Jahren mit Freunden die Planungen in Angriff. "Ursprünglich ist das alles gar nicht so groß vorgesehen gewesen", sagt der 45-Jährige. Aber dann habe sich das Projekt verselbstständigt. Mittlerweile engagierten sich 200 Menschen in einem Förderverein.

Protestaktion vor 100 Jahren

Nach dem Willen von Initiator Stiefvater soll mit dem Bau der Schneekirche in Mitterfirmiansreut  an ein außergewöhnliches Ereignis der Ortsgeschichte erinnert werden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Besuch des Sonntagsgottesdienstes für die Bewohner des abgeschiedenen Bergdorfs mit einem beschwerlichen, eineinhalbstündigen Fußmarsch in die Nachbarortschaft Mauth verbunden. Als die Bitten der Mitterfirmiansreuter um eine eigene Kirche jahrelang erfolglos verhallten, entschlossen sie sich in der Weihnachtszeit 1911 zu einer ungewöhnlichen Protestaktion: Sie errichteten sich ihre eigene Kirche - aus Schnee.

"Für mich ist das wirklich eine ergreifende Geschichte, was die Menschen aus dem Glauben heraus alles bewegen können", sagt Stiefvater. Dieses Engagement wolle man mit der Neuauflage der Schneekirche nach 100 Jahren würdigen.

Rund 100.000 Euro verschlingen nach Angaben des Fördervereins Planung und Bau der neuen Schneekirche. Das Geld kommt von Sponsoren, außerdem erhoffen sich die Organisatoren finanzielle Förderung aus einem EU-Programm.

Die Pläne für den spektakulären Kirchenbau stammen von dem Passauer Architekten Alfons Doeringer. "Nichts an diesem Projekt ist üblich. Es gab keine Maßstäbe und keine Normen", umschreibt der Architekt die Herausforderung. In Zusammenarbeit mit Statikern sei die jetzt geplante Gewölbeform für die Kirche entstanden. Doeringer weiß um das Risiko: "Das sind tonnenschwere Schneemassen, und darunter werden sich Menschen aufhalten."

Konzerte, Andachten und Kunsthandwerkmarkt

20 Zentimeter Neuschnee erhofft sich der Architekt, dann könnten die Bauarbeiten beginnen. Geplant ist, eine Holzverschalung mit insgesamt 1400 Kubikmeter Schnee zu verkleiden. Wenn die Schalung nach drei bis vier Wochen Bauzeit demontiert wird, soll das Kirchengewölbe aus Eis und Schnee eigenständig stehen. Temperatur und Dichte des Schnees müssten exakt stimmen, ansonsten sei die Tragfähigkeit der Konstruktion nicht gewährleistet, sagt der Architekt.

Am 17. Dezember ist die feierliche Eröffnung geplant. In den Wochen darauf werden in der Schneekirche Konzerte und Andachten stattfinden. Weitere Programmpunkte sind unter anderem der Bau einer Krippe aus Schnee am Heiligen Abend oder die Eisskulpturen-Ausstellung vom 22. bis 28. Januar.

Am 12. Februar laden die Veranstalter zu einem Schneekirchenmarkt mit traditionellem Kunsthandwerk, und ab dem 30. Dezember können Gäste und Einheimische jeden letzten Freitag im Monat an einem Langlauf mit Fackelbeleuchtung teilnehmen. Das Interesse an dem Projekt ist groß. Bei Organisator Stiefvater haben sich schon zahlreiche Reisegruppen für einen Besuch in der Schneekirche angemeldet.

Und wenn in diesem Jahr nicht genügend Schnee fällt in Mitterfirmiansreut? "Das ist sehr unwahrscheinlich", sagt Bernd Stiefvater. "Aber dann bauen wir die Kirche eben im nächsten Winter."

Uli Scherr, dapd/dpa