Explosion auf Djerba SPD-Nahostexperte vermutet Anschlag
Berlin - Insgesamt starben damit mindestens elf Menschen. Die Ursache für die Explosion eines mit Flüssiggas gefüllten Tanklasters vor der Außenmauer einer jüdischen Synagoge ist weiterhin unklar. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll es sich dabei um einen Anschlag handeln. Dies war von der Bundesregierung als Spekulation bezeichnet worden. Die tunesischen Behörden sprachen von einem Unfall.
Der Nahostexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Christoph Moosbauer, geht davon aus, dass die Explosion vor der Synagoge in Djerba auf einen terroristischen Anschlag zurückgeht. "Wenn man sich anschaut, was passiert ist, ist es in der Tat relativ unwahrscheinlich, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat", sagte Moosbauer am Samstag im InfoRadio Berlin-Brandenburg.
Der Vorfall in Tunesien und die Angriffe gegen Synagogen in Frankreich zeigten, dass der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bereits "internationalisiert" sei, erklärte Moosbauer. "In Djerba ist für uns natürlich besonders bedeutsam, dass Deutsche ums Leben gekommen sind. Das zeigt, wie nah uns dieser Konflikt ist." Daher müsse die Bundesrepublik umso mehr «dazu beitragen, dass wir zu einer Entspannung im Nahen Osten kommen», sagte Moosbauer.
Schwerverletzte nach Deutschland ausgeflogen
Die Druckwelle der Detonation erfasste nach Angaben des Reiseveranstalters TUI auch den Bus einer deutschen Reisegruppe mit 45 Mitgliedern. Unter den Toten ist auch ein elfjähriger Junge. Zudem kamen zwei Frauen aus Heilbronn und je eine Frau aus Bayern und Berlin ums Leben. Zur Herkunft der jüngsten Opfer machte das Auswärtige Amt zunächst keine Angaben.
Am frühen Samstagmorgen seien zwei Ambulanzflugzeuge mit vier Schwerverletzten aus Tunesien zurückgekehrt und in Köln und Berlin gelandet, teilte das Amt mit. Zusammen mit dem Reiseveranstalter habe der Krisenstab der Bundesregierung zudem einen Bundeswehr-Airbus nach Tunis entsandt. Mit speziell für Krankentransporte ausgestatteten Flugzeugen sollen alles transportfähigen Verletzten unter intensivmedizinischer Betreuung zur weiteren Behandlung nach Hamburg geflogen werden.