Extremschwimmer: 64 Kilometer über den Bodensee
64 Kilometer ohne Neoprenanzug Extremschwimmer Dobelmann versucht erneut Bodensee-Querung
Bodman-Ludwigshafen - Mehrere Schichten Melkfett und Sonnencreme sollen ihn bei seinem Weltrekordversuch im Bodensee vor Hitze, wunden Stellen und Kälte schützen. Zehren will der 111 Kilogramm schwere Bruno Dobelmann von seinem Körpergewicht - und einer großen Familienportion Spaghetti Bolognese, die er am Vorabend noch verdrückt hat. Zum Frühstück gab es dann nichts mehr, dafür war er auch zu aufgeregt:
Am Dienstagmorgen ist der 53-jährige Extremsportler am nördlichen Bodensee-Ufer zum zweiten Mal ins Wasser gestiegen, um sich den Weltrekord zu erkraulen: Er will den See als Erster ohne Neoprenanzug und nur mit Badehose bekleidet in Längsrichtung von Bodman aus durchqueren. 64 Kilometer in 28 bis 30 Stunden ohne Pause.
"Wir sehen uns in Bregenz", ruft Dobelmann noch, bevor er ins 19 Grad warme Wasser watet und sich in die Fluten stürzt. Die Sonne brennt bereits morgens um kurz vor neun. Vor ihm liegt ein langer Tag - und eine lange Nacht. Mittwochmittag will er in Österreich wieder an Land gehen. Sein Wunsch für das Ziel: "Ein Kasten Bier".
Ärzte bescheinigten ihm Unsportlichkeit
Erst im Mai hatte Dobelmann versucht, den Weltrekord aufzustellen, war jedoch in Höhe Hagnau bei Kilometer 28 wegen massiver Blasenprobleme gescheitert. Diesmal soll es klappen.
Dabei klang das Ergebnis der letzten Untersuchung in einer Zürcher Klinik alles andere als erfolgsversprechend: "Unsportlich und untrainiert." Für seinen Arzt, der ihn auf einer Motoryacht die ganze Zeit begleitet, ist dieses jedoch nicht relevant. "Bei einem 24-Stunden-Schwimmen sind ganz andere Variablen wichtig, als beim EEG auf einem Fahrrad", sagt Beat Knechtle. Die Grundkondition von seinem Schützling, der in früheren Zeiten bei ähnlich massigem Körperbau mehrere Marathon-Läufe in über fünf Stunden absolviert hat, sei gut.
"Die Fettleibigkeit kommt ihm im Wasser noch zu Gute. Das isoliert", sagt Knechtle. Unterwegs will der Allgemein-Mediziner, der ebenfalls gerne extreme Strecken schwimmt, immer wieder Dobelmanns Körpertemperatur messen. "Bei seinem letzten Versuch lag sie immer um die 37 Grad Celsius herum."
Im Schnitt will Dobelmann, der eigentlich in der Motorenentwicklung arbeitet und viel am Schreibtisch sitzt, 2,5 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Zwischendurch wird ihm sein Manager Oliver Halder immer wieder Kohlenhydratgele zum Trinken anreichen.
Diesmal muss es klappen
"Ihr haltet mich für verrückt, oder?", sagt Dobelmann noch kurz vor seinem Start und gibt dann selbst zu: "Ich fühle mich wie jemand, der gerade aus der Psychiatrie abgehauen ist." Am Vortag hatte er noch von dem ungeheuren Druck gesprochen, der nach dem ersten abgebrochenen Versuch auf ihm lastet. "Diesmal muss es einfach klappen."
"Orca", wie man ihn im Freundeskreis angelehnt an das lateinische Wort für Schwertwal nennt, hat bereits zahlreiche Freigewässer durchschwommen. 50 Kilometer legte der Stuttgarter bei seiner Doppelquerung des Fehmarnbelts zwischen Deutschland und Dänemark zurück, dafür benötigte er rund 19 Stunden. Auch den Ärmelkanal hat er als Teil einer Fünferstaffel bereits durchschwommen.
Wenn er den Bodensee bezwungen hat, könnte er sich auch vorstellen, am Nordpol zu schwimmen. "Ich tät auch in einen Behälter mit Stickstoff springen", witzelte er noch vor dem Versuch.
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