Extremtour Spanischer Bergsteiger stirbt an der Annapurna
Spanisches Bergsteiger-Team im Basecamp: Ein Mallorquiner starb an der Annapurna
Foto: YONHAP/ AFPMadrid - Um 15 Uhr standen Oh Eun Sun und ihr Team am Dienstag auf dem Gipfel der Annapurna - als erste Frau hatte die Südkoreanerin damit alle Achttausender der Welt bestiegen. Nur eine Dreiviertelstunde später gelang einem spanischen Team der Aufstieg auf den 8091 Meter hohen Berg, wie die Website explorersweb.com meldete. Doch von den drei Spaniern und zwei Sherpas schafften es nur vier zurück ins Basislager - der Mallorquiner Tolo Calafat kam beim Abstieg ums Leben.
Der 40-Jährige war nach Angaben seiner Expedition völlig entkräftet zurückgeblieben und wollte in rund 7500 Meter Höhe auf Hilfe warten. Er hatte vermutlich ein Hirnödem erlitten, eine Flüssigkeitsansammlung im Gehirn, die mit der Höhenkrankheit in Verbindung gebracht werden kann. Von einem Lager auf 7100 Meter Höhe wurde ein Sherpa zur Rettung losgeschickt, ausgerüstet mit Medikamente, Sauerstoff und einem Schlafsack, wie der Expeditionsleiter laut explorersweb.com berichtete.
Doch der Nepali habe ihn trotz elfstündiger Suche im starken Schneefall nicht finden können. Ein Hubschrauber kam am nächsten Morgen ebenfalls ergebnislos zurück. Am Donnerstag wurde die Suche schließlich eingestellt. Es gebe keine Möglichkeit mehr, ihn noch lebend zu finden, wie die Expeditionsleitung mitteilte. Tags zuvor hatte Calafat zuletzt per Funk mit dem Basislager gesprochen: "Holt mich runter. Tut es für meine Kinder und meine Familie", flehte er.
Von dem Drama erfuhr auch Oh Eun Sun. Die 44-Jährige befand sich im selben Basislager und stellte ihre Sherpas für eine Suchaktion zur Verfügung. Wegen des schlechten Wetters lehnten diese jedoch ab, obwohl die Spanier ihnen je 6000 Euro boten. Calafats Teamkollege Juanito Oiarzabal kritisierte die Mannschaft der Südkoreanerin und beklagte einen "Mangel an Solidarität im Gebirge".
Der Kontakt zu Calafat brach schließlich ab. Er habe die beiden Nächte in eisiger Kälte nicht überlebt, hieß es in den Angaben der Expedition. Der 40-Jährige stammte aus Palma de Mallorca und war auf seiner siebten Himalaja-Expedition. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder. In den vergangenen zehn Jahren sind 23 spanische Bergsteiger im Himalaja gestorben.
Messner gratuliert Oh
Der südkoreanischen Bergsteigerin Oh Eun Sun hat inzwischen Reinhold Messner zum Achttausender-Rekord gratuliert. "Ich respektiere Miss Oh und freue mich, sie nach dem Pioniertrekking in Katmandu zu treffen", sagte Messner, der gerade in Nepal eine Tour leitet, nach Angaben des Veranstalters Top Mountain Tours am Donnerstag über Satellitentelefon. Der 65-Jährige hatte als erster Mensch überhaupt alle Achttausender bestiegen.
Oh Eun Sun: Umstrittene Königin des Himalaja
Bisher bestehen noch Zweifel an Ohs Pionierleistung. Insbesondere von ihrer Besteigung des Kangchendzönga (8586 Meter) sollen eindeutige Beweisfotos vom Gipfel fehlen. Dazu sagte Messner, in Katmandu habe er von der Himalaja-Chronistin Elisabeth Hawley Beweise über die Besteigung durch Oh erhalten.
Auch akzeptiere den Stil der Koreanerin, die Gipfel mit Unterstützung durch Sherpas und Flaschensauerstoff zu erreichen. Auch das Erreichen der Basislager per Helikopter sei heute nichts Ungewöhnliches mehr und die eigentliche Besteigung des Berges beginne erst ab dem Basislager, sagte Messner den Angaben zufolge in dem Telefonat.
Im Himalaja sind derzeit zwei andere Frauen unterwegs, die knapp vor dem Rekord mit allen Achttausendergipfeln stehen und die in ihrem Alpinstil auf Messners Spuren wandeln. Die Spanierin Edurne Pasaban, mit 13 Gipfeln zweitbeste Alpinistin der Welt, müht sich derzeit am Shisha Pangma in Tibet. Die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner, der noch zwei Achttausender fehlen, klettert am Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde. Beide versuchen im Gegensatz zu Oh, ohne zusätzlichen Sauerstoff, Fixseile und Träger an ihr Ziel zu gelangen.