Ferienanfang Deutschland steht im Superstau
Dass der ADAC in seinen Pressemitteilungen mit Ironie arbeitet, ist eher selten. Am Freitag griff er zu solchen Mitteln, um die Stauwarnung fürs Wochenende auch adäquat an den Mann zu bringen: "Autofahrer, die ein Stauerlebnis suchen, finden es mit Sicherheit am kommenden Wochenende".
Wer trotzdem rein fährt, ist selbst Schuld, sollte das wohl heißen und zumindest einige Autofahrer abschrecken.
Die machen sich traditionell dann in Massen auf den Weg, wenn die Schulferien beginnen - was an diesem Wochenende in Bayern und Baden-Württemberg der Fall war. Auch in NRW begann erst die aller Erfahrung nach reisestarke zweite Ferienwoche, während die Sommerferien in einigen nördlichen Bundesländern mit dieser Woche enden.
Alles Gründe für eine warnende Prognose: "Autoschlangen mit Rekordlänge" sah der ADAC kommen - und sollte Recht behalten.
Riesige Staus haben schon am Samstagmittag die Nerven hunderttausender Urlauber strapaziert. Sowohl im Süden als auch im Norden kam es zu extremen Verkehrsbehinderungen mit Staus von 320 Kilometern Länge.
Je südlicher, desto dichter
Im Süden ging in Bayern auf der A 7 Ulm-Füssen zwischen Vöhringen und Kreuz Memmingen auf 30 Kilometern am Mittag nichts mehr. Auf der A 3 Frankfurt-Nürnberg hatte sich zwischen Würzburg-Heidingfeld und Rottendorf nach einem Unfall eine zehn Kilometer lange Warteschlange gebildet.
Auf der A 8 München-Salzburg herrschte zwischem dem Dreieck Inntal und Bernau am Chiemsee dichter Verkehr, auch in der entgegengesetzten Richtung steckten die Fahrer zwischen Achenmühle und Rohrdorf auf sechs Kilometern fest. Im weiteren Verlauf der A 8 München-Stuttgart herrschte zwischen Dasing und Augsburg West neun Kilometer Stillstand. Auf der Stadtumgehung München A 99 gab es zwischen Kirchheim und dem Kreuz München Nord eine acht Kilometer lange Fahrzeugschlange.
In Baden-Württenberg steckten die Autofahrer auf der A 8 Stuttgart-München bei Ulm West und Mühlhausen auf einer Länge von bis zu neun Kilometern im Stau. Auf der A 5 Heidelberg-Nürnberg kam der Verkehr nach einem Unfall zum Erliegen. Es bildete sich ein bis zu zehn Kilometer langer Stau. Auch auf der A 6 herrschte stockender Verkehr.
Im Norden waren vor allem die Autobahnen 1 und 7 auf dem Weg an die Nord- und Ostseeküste betroffen. Auf der A 1 Münster-Bremen-Hamburg bildeten sich Fahrzeugschlangen von 80 Kilometern Länge. Bereits am Vormittag ging es auf der A 7 Richtung Flensburg in der Region Neumünster auf 25 Kilometern Länge nur noch schleppend voran.
Nahe Hamburg sorgte eine Dauerbaustelle auf der A 1 für einen Stau von 10 Kilometern in südlicher und 14 Kilometern in nördlicher Richtung. Auch im Raum Hannover mussten sich die Reisenden auf lange Wartezeiten einstellen. Dort staute sich der Verkehr in Richtung Hamburg auf 16 Kilometern Länge, im weiteren Verlauf kam es am Dreieck Walsrode zu einem zehn Kilometer langen Stau. Auch vor dem Elbtunnel in Hamburg mussten sich die Autofahrer in Geduld üben.
Auch der österreichische Automobilclub ÖAMTC meldete insgesamt 72 Kilometer lange Staus auf den Straßen Richtung Süden. Vor dem Tauerntunnel betrug die Wartezeit gegen Mittag mehr als sechs Stunden. Staus wurden auch von der Brenner- und der Inntal-Autobahn (A13 und A12) sowie der Verbindung über das Deutsche Eck (A8) gemeldet.
Richtig hart wird es jenseits der französischen Grenze: Da treffen die süddeutschen auf die französischen Urlaubs-Reisewellen. Schon am Morgen meldete die französische Verkehrswacht Staus mit einer Gesamtlänge von 350 Kilometer, die aber im Laufe des Wochenendes noch auf 800 Kilometer anwachsen sollen.
Als besonders staugefährdet hat der ADAC folgende Autobahnen ausgemacht:
- A 7 Hamburg - Flensburg
- A 1 Hamburg - Puttgarden und Köln - Bremen - Hamburg
- A 24 Autobahndreieck Wittstock - Berlin
- A 2 Dortmund - Hannover - Berlin
- A 3 Oberhausen - Köln - Frankfurt - Nürnberg - Passau
- A 7 Hannover - Hamburg und Würzburg - Kempten
- A 4 Großraum Köln
- A 9 München - Nürnberg - Berlin
- A 5 Kassel - Frankfurt - Karlsruhe - Basel
- A 8 Karlsruhe - Stuttgart - München - Salzburg
- A 99 Umfahrung München
- A 93 Inntaldreieck - Kufstein
- A 95/B 2 München - Garmisch-Partenkirchen
- A 7/B 310 Kempten - Füssen
Zum Glück gibt es ein Rezept gegen die wachsenden Blechlawinen: Montag oder Dienstag. Wer kann, sollte im Augenblick Warten statt Starten und ansonsten die aktuellen Umleitungsempfehlungen des Verkehrsfunks befolgen.
Vor Fahrtantritt ist - vor allem bei Reisen mit Kindern - unbedingt darauf zu achten, dass man genügend Getränke mit sich führt.