VCD-Studie zum idealen Verkehrsmittel Fernbus ist billiger, aber langsamer als Bahn
ADAC-Fernbus: Die Bustickets sind sehr viel billiger als die Bahnfahrkarten
Foto: Ole Spata/ dpaMünchen/Berlin - Der Bahnstreik im Oktober hatte wieder mal die Aufmerksamkeit auf das Phänomen Fernbus gelenkt. Der neue Markt kämpft mit günstigen Fahrpreisen um neue Kunden - und die Busunternehmen massiv gegeneinander.
Die Folge: Der Preisunterschied zwischen einer Fahrt mit der Bahn und mit dem Fernbus ist "gravierend", wie eine Studie im Auftrag des Verkehrsclub Deutschland (VCD) ergab. Die Differenz zwischen den beiden Verkehrsmitteln betrage im Schnitt 139 Prozent. Die Nutzung des eigenen Autos, alle Kosten von der Anschaffung bis zur Tankfüllung eingerechnet, ist demnach immer die teuerste Variante und im Bezug auf die Umwelt auch die schädlichste.
Der ökologisch ausgerichtete VCD hatte insgesamt 540 Verbindungen auf zehn Strecken in Deutschland überprüft. Dabei ergab sich,...
- ...dass der Fernbus immer am längsten unterwegs ist und dass rund die Hälfte aller Fahrten mit einer Verspätung von mehr als sechs Minuten am Ziel ankommt.
- ...dass der Reisezeitvorteil der Bahn gegenüber dem Auto nur gering ist. In Einzelfällen, etwa zwischen Berlin und Dresden oder Karlsruhe und Köln, ist das Auto sogar schneller.
- ...dass beim Vergleich zwischen Bahn, Bus und Pkw auf den zehn ausgesuchten Strecken der Fernbus bei den Kosten und beim CO2-Ausstoß siegte, die Bahn hingegen bei der Gesamtbetrachtung von Zeit, Kosten und Umweltbilanz.
- ...dass unter diesen Gesichtspunkten das Auto auf keiner Strecke das ideale Verkehrsmittel sei.
Warum dennoch rund 80 Prozent der Deutschen auf Fernstrecken mit dem Auto unterwegs sind, zeigt eine Umfrage für den VCD: Wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines Verkehrsmittels ist für die meisten die Erreichbarkeit von Zielen und Orten. Danach folgen Kosten, Zuverlässigkeit und Fahrtdauer, an fünfter Stelle steht die Flexibilität.
Für den VCD bleibt die Bahn dennoch "die erste Wahl im Fernverkehr". Sie sei aber durch hohe Trassenpreise gegenüber dem Fernbus benachteiligt. Damit langfristig beide umweltverträglichen Verkehrsmittel attraktiv bleiben könnten, müsse es "endlich" eine Gleichbehandlung geben. Der VCD fordere daher eine leistungsabhängige Maut für Busse und Autos auf den Straßen.
Wer demnächst die Fernbusfahrt testen will, der sollte drei Dinge beim Ticketkauf beachten:
- Stornierung: Die Konditionen sind je nach Anbieter unterschiedlich. In jedem Fall lohnt ein Blick in die Beförderungsbedingungen, rät Juliane von Behren von der Verbraucherzentrale Bayern. Bei vielen Unternehmen sind Stornierungen bis drei Tage vor Antritt der Fahrt kostenlos möglich, sagt Johannes Thunert, Geschäftsführer des Portals Fahrtenfuchs.de. Doch auch Gebühren zwischen drei und zehn Euro seien möglich. Innerhalb von 24 Stunden vor Fahrtbeginn lasse sich das Ticket meist nur noch mit einem Abschlag in Höhe von 50 Prozent des Preises zurückgeben. Bei internationalen Verbindungen gelte eine Frist von 48 Stunden vor Reisebeginn.
- Preise: Hier gilt eine einfache Regel: "So früh wie möglich buchen, genau wie bei der Bahn", rät Thunert. Die günstigen Ticketkontingente seien irgendwann aufgebraucht, dann werde es teurer. So kann der Fahrpreis am Ende durchaus dreimal so hoch sein wie der günstigste Tarif zu Anfang. Und auch wenn der Fernbus laut VCD in 94,4 Prozent der Fälle günstiger als die Bahn ist - auf einen Preisvergleich sollte man dennoch nicht verzichten, rät von Behren.
- Gepäck: In der Regel dürfen Fahrgäste ein Hauptgepäckstück und ein Handgepäckstück kostenlos mitnehmen, sagt von Behren. Für weitere Gepäckstücke und Sperrgepäck wie Fahrrad, Kinderwagen oder Rollstuhl wird ein Aufpreis fällig, der laut Thunert bis zu zehn Euro betragen kann. Sicherheitshalber sollten Kunden Sperrgepäck vorher .