Frankreich: Mit Flugticketsteuer gegen Armut - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Frankreich Mit Flugticketsteuer gegen Armut

Französische Flugreisende sollen ab nächstem Jahr ihren Beitrag zum weltweiten Kampf gegen Armut leisten. Präsident Chirac kündigte ein Pilotprogramm an, in dem eine Sondersteuer auf Flugtickets erhoben wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris/Berlin - Frankreich prescht in der Veröffentlichung einer schwarzen Liste von unsicheren Fluggesellschaften vor und wartet auch beim Thema Sondersteuer auf Flugtickets nicht auf eine internationale Lösung: Schon im nächsten Jahr will Frankreich die Abgabe bei den Passagieren einziehen, um mit den Erträgen den weltweiten Kampf gegen die Armut zu unterstützen.

Wie Staatspräsident Jacques Chirac am Montag sagte, sollen die Einnahmen in erster Linie Maßnahmen gegen Aids, Tuberkulose und Malaria zugute kommen. Auf dem Uno-Gipfel im September würden sich auch Deutschland, Algerien, Brasilien, Chile und Spanien für eine solche Sondersteuer einsetzen, erklärte Chirac. Frankreich bereite unterdessen sein Pilotprogramm vor.

Der französische Finanzminister Thierry Breton hatte auf einer Uno-Tagung im Juni erklärt, Flugtickets seien als Basis für eine solche Sonderabgabe besonders geeignet, weil Flugreisende "nur selten zu den ärmsten Bürgern gehören". Seit 1960 habe der weltweite Luftverkehr im Schnitt um neun Prozent jährlich zugenommen.

Französische Behörden nannten als mögliche Richtlinie eine Abgabe von fünf Euro pro Passagier, für Reisende der Business-Class sollen 20 Euro extra anfallen. Damit kämen jährlich rund zehn Milliarden Euro zusammen, hieß es. Für ärmere Länder sollten die Beträge angepasst werden.

In Deutschland noch keine Sonderabgabe

In Deutschland gebe es solche Pläne in dieser konkreten Form nicht, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin. Auf internationaler Ebene gebe es verschiedene Initiativen, die dort auch weiter diskutiert würden.

Auch auf dem Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands (G8) Anfang Juli in Schottland hatten die G8-Staats- und Regierungschefs über Möglichkeiten zur Aufstockung der Entwicklungshilfe beraten. Sie hatten sich aber nicht auf den Zuschlag auf Flugtickets als ein gemeinsames Instrument verständigen können.