Friedensmission: Die Hoffnung segelt mit - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Friedensmission Die Hoffnung segelt mit

Am 1. Januar sticht eine israelisch-palästinensische Crew von Südchile aus in See. In 35 Tagen werden die sechs Männer und zwei Frauen aus verfeindeten Nationen durchs Eismeer zur Antarktis segeln. Dort wollen sie einen nie bestiegenen Berg bezwingen. Die Botschaft der Extremexpedition: Ein Ende der Feindschaft ist möglich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist die ganz harte Tour: zwischen Inseln, Eisbergen und Untiefen hindurch immer Richtung Süden, bei Eiswind und Regen. Zehn Tage lang werden acht Menschen auf 23 Meter Yacht zusammengepfercht sein, mit klammen Händen Segel hissen und Kurs halten, unterbrochen von wenig Schlaf auf engstem Raum unter Deck. Im ewigen Eis der Arktis angekommen werden sie landeinwärts stapfen, Schritt vor mühsamen Schritt durch den Schnee. Am Ende werden sie einen Berg besteigen, um auf dem Gipfel das zu tun, wozu sie fast 15.000 Kilometer weit gereist sind: gemeinsam die palästinensische und israelische Fahne zu hissen und so ein Zeichen für den Frieden zu setzen.

Was sich die acht Teilnehmer der Friedensmission "Breaking the Ice" vorgenommen haben, ist selbst für Extremsportler eine Herausforderung. Für die vier Israelis und vier Palästinenser ist es noch mehr: Sie wollen den Beweis antreten, dass Menschen aus verfeindeten Völkern gemeinsame Ziele erreichen können, wenn sie nur zusammenhalten. Im Fall ihrer Antarktis-Expedition den noch nie bestiegenen Zweitausender, im Fall des Konflikts in ihrer Heimat im Nahen Osten den Frieden.

Neun Monate lang hat sich die Crew um den Initiator Heskel Nathaniel auf ihr 35-tägiges Abenteuer vorbereitet. Sie haben Routen ausgearbeitet, Sponsoren gesucht und haben im November mit Teamgeist und Humor den letzten Härtetest an den verschneiten Hängen des Montblanc bestanden. Vor allem aber haben sie ihr symbolträchtiges Anliegen publik gemacht. Dass der Vatikan genauso wie der Dalai Lama den Abenteurern seinen Segen gab, Kofi Annan das Projekt genauso unterstützt wie Schimon Peres, Jassir Arafat und Wolfgang Thierse, war der erste große Erfolg der acht, bevor sie überhaupt an Bord der "Pelagic Australis" gingen.

Keins der Crewmitglieder glaubt, dem Nahen Osten mit ihrer spektakulären Antarktis-Reise den Frieden bringen zu können. Doch sie alle glauben daran, dass es die einzelnen Menschen sind, die den Unterschied machen. Die vorleben können, dass man mit Courage, gegenseitigem Respekt und gutem Willen etwas erreichen kann, wenn man die eingefahrenen Denkmuster über Bord wirft. Das verbindet die vier Israelis - ein Investmentbanker, ein Rechtsanwalt, eine Linguistin und ein Profi-Bergsteiger - mit den Palästinensern, die durch eine Sportlehrerin, zwei Jugendarbeitern und einen Journalisten vertreten sind. Der amerikanischen Organisation "Search für Common Ground", die schon Jimmy Carter für seine Friedensinitiative auszeichnete, war diese Überzeugung schon vor der Reise eine Auszeichnung wert.

Mit an Bord der gecharterten Hochsee-Yacht ist neben Ausrüstung und Proviant für einen Monat vor allem eines: Hoffnung. Hoffnung darauf, dass das Team erfolgreich und heil wiederkommt, aber auch die Hoffnung darauf, dass die Reise Menschen in aller Welt zum Spenden ermutigt. Denn die "Extreme Peace Mission" in die Antarktis soll nur ein Anfang sein. Wenn alles klappt, soll schon im nächsten Jahr die nächste Mission starten. Dann sollen Jugendliche aus Krisenregionen durch gemeinsame Abenteuer lernen, wie man das Eis bricht.

Mehr lesen über