Gefährliche Pools: Tod im Ansaugrohr - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gefährliche Pools Tod im Ansaugrohr

Eigentlich schreiben strenge Richtlinien vor, wie Wasseransaugenpumpen in Swimming-Pools gebaut sein müssen. Dennoch kommt es immer wieder zu tragischen Todesfällen.
Von Andrea Kinzinger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Am Sonntag war der acht Jahre alte Tim aus Nordrhein-Westfalen in den Ansaugschacht eines Swimming-Pools in der türkischen Ferienanlage Didim des Reiseveranstalters TUI gezogen worden. Selbst sein Vater, der ihn mit mehreren Männern retten wollte, konnte den kleinen Jungen nicht wegziehen. Tim ertrank.

Wie es zu dem Unglück in der Türkei kam, ist bislang unklar. Ein Einzelfall ist es jedoch nicht. Immer wieder werden auch hierzulande Kinder in öffentlichen Schwimmbädern von Ansaugpumpen in die Tiefe gezogen, zuletzt im Mai 2005 im nordrhein-westfälischen Gummersbach. Damals verfingen sich die Haare der zehn Jahre alten Britta in einer Anlage. Der Bademeister versuchte noch das Mädchen zu befreien, indem er ihm die Haare abschnitt. Doch die Hilfe kam zu spät.

"Wenn ein Mensch angesaugt wird, entsteht enormer Unterdruck im Rohr", sagt Christian Ochsenbauer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen in Essen zu SPIEGEL ONLINE. "Die Person klebt quasi fest und kommt nicht mehr weg, selbst wenn Retter versuchen, sie wegzuziehen." Der Mensch könne nur dadurch befreit werden, in dem der Schwimmbadbetreiber die Pumpe abschaltet.

Ansauganlagen sind häufig in Schwimmbecken zu finden, etwa um eine Gegenstromanlage zu betreiben oder eine Rutsche zu bewässern. Während in den Ländern außerhalb der EU die Vorschriften des jeweiligen Landes gelten, gibt hierzulande eine seit 2001 europaweit geltende Norm genau vor, wie die Anlagen auszusehen haben, sagt Ochsenbauer.

Die Vorschrift besagt unter anderem, dass die Ansauggeschwindigkeit vor dem Rohr 0,2 Meter pro Sekunde nicht überschreiten darf. Zudem muss vor der Pumpe ein Gitter so fest angebracht sein, dass es ohne Schraubenzieher nicht demontiert werden kann. Im Idealfall soll die Vorrichtung, die bis zu 30 mal 30 Zentimeter messen kann, gewölbt sein. Auf diese Weise wird vermieden, dass das Rohr ganz verdeckt wird. Zudem soll die Anlage aus einem kommunizierenden Röhrensystem bestehen.

"Wen sich die Bauplaner an diese Richtlinie halten, ist das Unfallrisiko gering", so der Hauptgeschäftsführer. Allerdings machten sich manche Kinder einen Spaß daraus, das Gitter abzuschrauben.

Unterdessen gab es weder von der Hotelleitung noch vom Reiseveranstalter nähere Informationen zum Tode des kleinen Tim. "Die Unfallursache ist noch nicht festgestellt", sagt TUI-Pressesprecher Robin Zimmermann. "Solange der Untersuchungsbericht nicht vorliegt, äußern wir uns nicht."

Der Pressesprecher betonte allerdings, dass TUI seinen Hotels vor Vertragsabschluss umfangreiche Sicherheitsstandards vorgebe, und ein geschulter Mitarbeiter diese anhand einer hundert Punkte umfassenden Checkliste überprüfe. Die Kontrollen fänden regelmäßig und ohne Ankündigung statt - auch außerhalb der Saison. So werde etwa begutachtet, ob genügend Rauchmelder oder Feuerlöscher vorhanden sind, und ob die Poolumrandung rutschfest ist. "Leider gibt es keine hundertprozentige Sicherheit", sagt Zimmermann. "Selbst bei bester Kontrolle können Unfälle nie ausgeschlossen werden."

Mehr lesen über