Geiselnahme: Lösegeld von der Versicherung - DER SPIEGEL
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Geiselnahme Lösegeld von der Versicherung

Zumindest in finanzieller Hinsicht sind die befreiten deutschen Sahara-Geiseln glimpflich davongekommen. Gegen die Kosten in Millionen-Höhe bei Entführungen und Erpressungen versichern sich bisher vor allem Unternehmen. Nun rechnet die deutsche Versicherungswirtschaft mit einer starken Nachfrage nach privaten Policen.
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Münster/Detmold - Die 14 im August befreiten Deutschen erhielten, wie gestern bekannt wurde, eine Rechnung vom Auswärtigen Amt über 2301 Euro, ihr Anteil an den Kosten für Telekommunikation, Dienstfahrten sowie den Rückflug. Die Mitglieder der Gruppe, die bereits im Mai ausgelöst werden konnte, sollen 1092 Euro zahlen. Ein symbolischer Betrag, denn die Rettung der Geiseln soll laut Magazin "Focus" 20 Millionen Euro gekostet haben. Allein die Flugkosten betrugen nach offiziellen Angaben der Bundesregierung 420.000 Euro.

"Bei der Befreiung von gekidnappten Urlaubern können schnell Kosten in Millionenhöhe zusammenkommen", sagt der langjährigen Krisenabwehr-Berater Peter Bensmann der Deutschen Presseagentur. "Seit Algerien gelten deutsche Touristen als lukrative Beute von Geiselgangstern, die sich bevorzugt Opfer aus Ländern mit zahlungswilligen Regierungen aussuchen", erläuterte Bensmann, der in der Abteilung für Krisenmanagement des internationalen Versicherungsmaklers Aon Jauch & Hübener tätig ist.

Bisher zählte Aon Jauch & Hübener vor allem weltweit agierende Unternehmen, die sich oder ihre Mitarbeiter gegen Entführung und Erpressung versichern, zu ihren Kunden. Das Unternehmen vermittelt ihnen Deckungskonzepte internationaler Versicherer. Nun rechnet der Makler mit einer verstärkten Nachfrage privater Policen gegen diese Risiken. Bereits jetzt böten "mindestens eine Hand voll" Versicherungen Schutz gegen solche Risiken.

Nach Bensmanns Informationen nehmen Entführungen und Erpressungen weltweit zu. "Jährlich werden etwa 12.500 Entführungen aus über 40 Ländern berichtet." Am größten sei die Gefahr in Lateinamerika, Russland und Asien. Dort hätten sich die durchschnittlich gezahlten Lösegelder innerhalb der vergangenen vier Jahre verdoppelt, in Einzelfällen seien über 50 Millionen Euro bezahlt worden. In Deutschland gebe es jedes Jahr rund 90 Kidnapping-Fälle, berichtet die "Süddeutsche Zeitung", die Zahl der Erpressungsfälle gehe in die Tausende.

Versicherungen gegen Erpressung von Unternehmen sowie Entführung und Freiheitsberaubung von Mitarbeitern sind nicht neu. In Deutschland sind solche Policen aber erst seit 1998 zugelassen. Die Bundesregierung sei um äußerste Diskretion bemüht wegen des Konflikts, Geiseln befreien zu müssen, mit Lösegeldzahlungen zugleich aber den Erpressungshunger Krimineller anzuregen, erläutert Bensmann.

"Von ähnlicher Zweischneidigkeit ist auch der private Versicherungsschutz. Sollten Geiselgangster erfahren, dass Touristen gegen Entführungen einschließlich aller Folgen versichert sind, kann die praktisch garantierte Lösegeldzahlung als Einladung zum Kidnapping verstanden werden." Daher nähmen auch die Versicherungen das Geheimhaltungsgebot sehr ernst. Billig ist so ein Versicherungsschutz nicht: Ein Mittelständler mit zehn Beschäftigten würde sich bei Aon Jauch & Hübener mit einer Prämie von 15.000 Euro im Jahr gegen Entführung und Erpressung absichern, eine Einzelperson wäre mit 1500 Euro dabei.