Geldsorgen Bahn plant radikales Sparprogramm
Berlin - Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, werden allein die ICE-Neubaustrecke von Köln nach Frankfurt und der Verkehrsknotenpunkt in Berlin etwa 2,6 Milliarden Mark mehr kosten als ursprünglich kalkuliert. Nun müssten alle wichtige Großprojekte auf den Prüfstand gestellt werden. Zudem plane der Vorstandsvorsitzende der Bahn AG, Hartmut Mehdorn, ein radikales Sparprogramm.
So sieht sich die Bahntochter DB Netz AG zu großen Einschnitten gezwungen. Gleise und Weichen sollen in erheblichem Umfang abgebaut werden, auch die Zahl der Arbeitsplätze werde deutlich reduziert. Von den 55.000 Beschäftigten sollen bis 2004 nur 30.000 übrig bleiben, sagte Leuthold Lewin, Vorstandsmitglied der Netz AG, dem Gesamtbetriebsrat Netz in Darmstadt. Mitarbeiter und Manager der Bahn aus verschiedenen Regionen sprechen von einem immer stärker bemerkbaren Geldmangel beim Netz.
Auch die Prestigeprojekte der Bahn AG laufen alles andere als erwartet. So sollte die fast acht Milliarden Mark teure ICE-Neubaustrecke zwischen Köln und Frankfurt, Herzstück des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes, ursprünglich bereits in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Nach zahlreichen Verzögerungen - unter anderem durch Auftragsvergaben ohne Planfeststellungsbeschluss - ist die Einweihung der Strecke jetzt für Mai 2002 geplant.
Ein Wassereinbruch, erhöhte Sicherheitsanforderungen und Änderungen beim Lehrter Bahnhof könnten den Ausbau des Verkehrsknotenpunkts Berlin um rund 1,8 Milliarden Mark verteuern. In der Hauptstadt soll für 20 Milliarden Mark unter anderem der 3,5 Kilometer lange Tiergarten-Tunnel entstehen. Auch Bahnhöfe und Fahrzeuge werden modernisiert. Der neue Knoten soll im Jahre 2005 in Betrieb genommen werden - zwei Jahre später als zunächst geplant.
Völlig in der Schwebe ist nach wie vor das Projekt "Stuttgart 21". In der baden-württembergischen Landeshauptstadt soll der bisherige Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden. Die Kosten werden auf knapp fünf Milliarden Mark beziffert. Der Ausbau der Schnellbahntrasse nach Ulm wird noch einmal rund drei Milliarden Mark verschlingen.
Eine Entscheidung zu "Stuttgart 21" ist auf der Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am Mittwoch noch nicht gefallen. Die Bahn will offensichtlich abwarten, ob der Bund seiner finanziellen Zusage in Höhe von rund 900 Millionen Mark auch nachkommen wird. Umweltschützer sehen im Zögern des Aufsichtsrat allerdings ein Signal dafür, dass sich die Bahn allmählich ganz vom Stuttgarter Großprojekt verabschiedet.